Gastbeitrag: Ausbildung nach dem Studium

Meine Mutter pflegt immer zu sagen:

„Alles kommt so, wie es kommen muss.“ Nur war ich oftmals nicht mit all dem einverstanden, wie es gekommen ist.

Hi, ich bin Steffi, mittlerweile 25 und habe quasi meinen Bachelorabschluss der Germanistik und Linguistik in der Tasche. Man dürfte jetzt also eigentlich erwarten, dass ich entweder den Master anschließe oder mich voll ins Berufsleben stürze. Mach ich aber beides nicht. Nein, ich habe mich für eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement entschieden und vielleicht runzelt jetzt der eine oder andere die Stirn, aber das alles hat seine Richtigkeit.

Wieso ich jetzt eine Ausbildung mache:

Während meiner Schulzeit war ich sehr unschlüssig, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Nach dem Realschulabschluss von der Schule abgehen und eine Ausbildung machen? Nein, meinten meine Eltern. Mach lieber Abitur, dann hast du mehr Möglichkeiten. Doch während des Abis kamen nur noch mehr Fragen auf: an einer Uni oder Hochschule studieren? Wenn ja, was? Oder doch lieber eine Ausbildung machen?

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Mein Fazit zum Online-Semester

Am 15.07. hatte ich meine letzten digitalen Seminare für das Sommersemester und ich wage ein Fazit:

Wie liefen die Seminare/Vorlesungen ab:

Als Mitte April die ersten digitalen Seminare und Vorlesungen stattfanden, war ich begeistert. Je nach technischen Voraussetzungen war es nun möglich, vom Bett aus am Seminar, auch aktiv, teilzunehmen. Spoiler: Das blieb nicht so.

Positive Aspekte:

Die für mich beste digitale Lösung hat meine Dozentin für Literaturwissenschafen gefunden. Die Seminare wurden allesamt als besprochene Powerpoint-Präsentation hochgeladen. Diese Methode wurde bereits am Anfang evaluiert, um ein Feedback der Studierenden zu erhalten, das durchgänig positiv war. Ergänzt wurde dieses Seminar durch Zoom-Konferenzen, die in unregelmäßigen Abständen stattfanden, sowie einem klassischen Chat. Allerdings schnitt das Chat-Format am schlechtesten ab und fand daher auch nur einmal statt. Ich kann bestätigen: Die Teilnahme am Chat war aufwändig und nervig: Wenn man auf einen Beitrag eines Kommilitonen ausgibig antworten wollte, dauerte das Tippen seine Zeit und in der Zwischzeit war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass jemand anderes sich zur Wort meldete und entweder genau das zum Besten gab, was man selbst sagen wollte, oder ein ganz anderen Aspekt des Themas anschnitt.

Die Teilhabe an den Seminaren war insbesondere zu Beginn gesteigert. Bis Anfang Juni waren fast alle Teilnehmer konsequent vollständig anwesend und sorgten so für intensive Diskussionen und regen Austausch. Schließlich war man in der Hochphase der Corona-Pandemie ohnehin Zuhause und in den meisten Fällen konnten die technischen Voraussetzungen erfüllt werden. 

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Gastbeitrag: Studieren mit psychischer Erkrankung

„Borderliner haben nichts mit Liebe zu tun. Sie denken nur in krankhaften Abhängigkeitsverhältnissen.“ – Kommentar auf YouTube

„😢 Nach einer so schrecklichen Tat wird diesen Frauen noch einmal Unrecht zugefügt! Es fällt mir unsagbar schwer die richtigen Worte zu finden! 😢“ – Kommentar auf YouTube

Wer bin ich?

Ich bin Steffi, 24 Jahre jung und studiere im 8. –und damit für mich letzten – Semester Germanistik und Linguistik. Für mich war das Studium nicht gerade Plan A. Aber um nichts in der Welt möchte ich diese Erfahrungen missen, denn sie haben mir gezeigt, wie robust und gleichzeitig gebrochen ich war.

Meine Geschichte

Seit ich jung bin, war ich schon immer anders. Ich konnte nur schwer mit Verlusten oder Abschieden umgehen, konnte meine Emotionen nicht kontrollieren, war oft impulsiv und erlebte täglich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Das allein war schon unerträglich für mich, ohne zu wissen, was nicht mit mir stimmte. Mit 15 Jahren wurde ich vergewaltigt und lebe seither mit den Narben, die diese Tat hinterlässt. Trotz Therapie.

Die Kommentare oben sollen einen kleinen Auszug dessen geben, wie ungerecht ich mich gefühlt habe, dass meine Borderline-Akzentuierung mich als Mensch viel unsympathischer und unmenschlicher macht, als meine Posttraumatische Belastungsstörung.

(c) Steffi

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Interview: Mit Kleinkind studieren

Die Landesregierung NRW diskutiert aktuell wieder die Einführung der Präsenzpflicht an Universitäten und stößt damit tausenden Studenten vor den Kopf, die neben dem Studium noch mit anderen Baustellen zu kämpfen haben. Wie lässt sich ein Studium mit Anwesenheitspflicht zum Beispiel mit einem Kleinkind vereinbaren? Dazu habe ich mit Victoria Benner gesprochen, die vor einigen Jahren ihr Studium mit Baby gerockt hat. 

Erst einmal Danke, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview. Bitte erzähle zu Beginn doch kurz etwas über dich, damit die Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Ich bin Victoria, Autorin und Historikerin, habe aber ursprünglich Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellte gelernt. So war ich schon etwas älter, als ich mein Geschichtsstudium aufgenommen habe. Während des ersten Semesters ist meine Tochter geboren, sodass ich mein Studium von Anfang an mit Kind organisieren musste.

(c) Victoria Benner
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Das digitale Semester: Uni-Seminare via Videokonferenzen

Es scheint, als bliebe das Sommersemester ein reines digitales Semester. Neben den täglich anfallenden Arbeiten finden an vier Wochentagen Seminare und Vorlesungen statt. In der fünften Vorlesungswoche dieses außergewöhnlichen Semesters sind Seminare via Videokonferenzen nicht mehr ganz so ungewohnt und ich gehe mittlerweile sehr viel entspannter mit diesem neuen Medium um.

Der soziale Kontakt

Es tut gut, so seine Kommilitonen und Dozenten zu sehen und zu hören, auch wenn dies nicht den normalen zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen kann. Es geht in der Kommunikation, die persönlich schon schwierig genug ist, zu viel verloren. So fehlt einfach der direkte Austausch mit den Kommilitonen im Online-Seminar schon sehr. Oder auch nur das kurze Spicken beim Nachbarn, die kurze Frage an den Gegenüber, das Sitzen auf harten Stühlen im Seminarraum… Okay, letzteres vermisse ich nicht.

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Wie ich mit dem Paretoprinzip mein Studium rock(t)e

Das Paretoprinzip, auch 80-zu-20-Regel genannt, besagt nichts anderes, als das 80 % der Ergebnisse bereits mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden können. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse erfordern jedoch mit 80 % des Gesamtaufwandes die meiste Arbeit.

Je nachdem mit welchem Anspruch man an sein Studium geht, und welches Fach man studiert, kann man also mit relativ wenig Aufwand sehr viel erreichen. 

Da ich ein Mensch bin, der solange ein Motivationsproblem hat, bis er ein Zeitproblem hat, kommt mir dieses Prinzip sehr zugute. Allerdings habe ich es am Anfang meines Studiums nicht genau verstanden und auf mein Jurastudium kann ich es immer noch nicht anwenden – aber sowohl in meinem Bachelor als auch jetzt in meinem Masterstudiengang bringe ich damit gute Leistungen. 

Um das kurz zu veranschaulichen erkläre ich kurz, wie mein Bachelorstudium aufgebaut war:
Mein Germanistikstudium teilte sich in ein Grund- und ein Hauptstudium.
Im Grundstudium studierte ich 4 Module mit je 4 Seminaren.
Im Hauptstudium reduzierte sich das auf 2 Module mit je 2 Seminare.
Jedes Seminar musste mit einem Beteiligungsnachweis und jedes Modul mit einer Abschlussprüfung (AP) abgeschlossen werden. Lediglich die Abschlussprüfungen werden benotet und bilden zusammen mit der Bachelorarbeit die Bachelornote. 

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Online-Lehre: eine neue Chance

Seit etwa einer Woche läuft das Projekt Online-Semester und die Herangehensweise der einzelnen Fakultäten und Dozenten ist ganz unterschiedlich. Das mag nun Verbesserungswürdig sein, oder auch nicht, je nachdem welcher Lerntyp man ist. Fakt ist jedoch, dass wir alle in einem großen Experiment mitwirken, wie die Lehre an einer Präsenzuni auch zukünftig digital erfolgen kann.

Denn unbestreitbar bietet sie auch Chancen. So konnte ich dieses Semester mehr Seminare belegen, als ursprünglich geplant. Einige Seminare finden nicht live statt, sondern über Aufzeichnungen oder vertonte Powerpoint-Präsentationen. Diese kann ich mir ansehen, wann immer ich möchte und Zeit habe. So kann ich ausnahmsweise auch Veranstaltungen parallel belegen, oder während meiner Arbeitszeit. Dadurch wird es – natürlich nicht nur für mich – sehr viel einfacher, das Studium neben dem Beruf zu bewältigen. Außerdem entfallen die Pendelzeiten zur Universität, weswegen ich nun auch lediglich ein Seminar pro Tag belegen konnte, was früher für mich undenkbar war. 

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Digitale Lehre

Eine Sonderbefragung des Hochschulverbandes des Stifterverbands und der Heinz-Nixdorf-Stiftung von 168 Hochschulen hat ergeben, dass knapp 90 % der Universitäten sich gut oder „eher gut“ für einen Online-Lehrbetrieb gerüstet sehen. Dann muss sich meine Hochschule unter den restlichen rd. 10 % befinden.

In diesem Semester habe ich 5 reguläre Veranstaltungen aus 3 Fakultäten belegt. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, bei der ich die Vorlesung Organisation und Personal für Nicht-Ökonomen belegt habe, lädt Videos mit vertonten Powerpoint-Präsentationen hoch. Was sich als genauso langweilig herausstellte, wie es sich anhört. Dem Dozenten fehlt eindeutig ein menschliches Gegenüber, denn monoton ist noch gar kein Ausdruck für die Qualität der Vertonung. Zudem lässt sich in der heutigen Zeit durchaus darüber streiten, wie sinnvoll Vorlesungen überhaupt noch sind.

Die Juristische Fakultät, bei der ich die Vorlesung Wirtschaftsrecht besuche, findet via Zoom-Webinar statt. Der Live-Aspekt sorgt natürlich für einige interessante Gegebenheiten. So sitzt der Dozent in seinem Homeoffice, redet 1,5 Stunden und beantwortet Fragen aus dem Chat. Alle anderen Teilnehmer bleiben verborgen und stumm. Wenigstens ist hier der Vorteil, dass ich niemandem zeigen muss, wie ich in Jogginghosen in meinem Arbeitszimmer sitze.

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Start ins vierte Semester

Mein neuer Stundenplan für das Wintersemester steht. Und trotz aller Widrigkeiten sieht es so aus, als würde ich meinen Bachelor doch in der Regelstudienzeit machen können. Und das, obwohl ich nach 2 Semester das Ergänzungsfach gewechselt und ich nebenbei in Teilzeit arbeite.

Das nächste Semester wird vom Pensum her die Hölle – aber manchmal muss man durch die Hölle gehen um auf den Wolken tanzen zu können. Keine Ahnung wer diesen kitschigen Spruch mal ursprünglich gesagt hat, aber irgendwie passt er. Und in einer Sache bin ich sehr gut: Ich kann super schwierige Situationen aussitzen.

Ich habe 9 Veranstaltungen im kommenden Wintersemester. In vier davon muss ich Abschlussprüfungen machen. Drei Hausarbeiten, eine Klausur. Dann kommt im Sommersemester nur noch die Bachelorarbeit sowie eine AP.

Ich freue mich auf das anstehende Semester. Es tut mir gut, gefordert zu sein. Gefordert in zwei Bereichen, die mir Spaß machen.

Auch mein Projekt schreitet voran. Die Zeit wird knapper, die Tage kürzer. Dennoch halte ich an meinem drei-Monatsplan fest. Es sind noch 68 Tage übrig und ich bin nicht diszipliniert genug. Mal sehen ob es besser wird.

Der Club der Nicht-toten-Dichter

Vor etwa 13 oder 14 Jahren gründeten drei Freundinnen und ich den Club der Nicht-toten-Dichter. Wieso, weshalb, warum, kann ich jetzt gar nicht mehr sagen. Jedenfalls gab es Nicht-Goethe, Nicht-Schiller, Nicht-Dylan und ehrlich gesagt hab ich den Dichternamen von Lilo schon wieder vergessen.

Nach der Mittleren Reife trennten sich unsere Wege. Ausbildung und Abi standen erstmal an. Lilo gab Gas. Sie heiratete mit Anfang 20, baute ein Haus, bekam das erste Kind. Sie blieb in der bayerischen Provinz. Wir anderen ließen uns Zeit. Nicht-Schiller holte ihre Abi nach, ging nach Berlin. Im Sommer bekam sie ihr erstes Kind. Nicht-Goethe hat letzte Woche heimlich still und leise geheiratet. Sie hatte ihr Abi parallel zur Ausbildung nachgeholt und in Potsdam studiert. Mittlerweile ist sie in Hessen gelandet. Auch mein Weg war nicht geradlinig. Jobben, Ausbildung, Abi, jetzt das Studium. Mitten in NRW. Aber auch ich komme langsam an und bin gespannt was noch kommen mag.