Gastbeitrag: #LeaveNoOneBehind

Mein Name ist Hannah Pohlen, ich bin 22 Jahre alt und kenne Jezzi aus unserem gemeinsamen Politikstudium an der Heinrich-Heine-Universität. Neben diesem Studium studiere ich noch Geschichtswissenschaften, arbeite als freie Mitarbeiterin in einem History Marketing Büro und interessiere mich leidenschaftlich für Backrezepte zur Kreation von Schokoladekuchen in jeglicher Form. Neben meiner Schwäche für ungesunde Kuchen 😊 beschäftigen mich vor allem die Themen Migration(-srecht), Asyl, Menschenrecht, die Beziehungen zwischen Staaten und Internationale politische Ökonomie.

Das Flüchtlingsdrama in Moria

Am 13. April 2020 habe ich mein Wissen aus dem Studium und meine Erfahrungen aus verschiedene Projektarbeiten genutzt, um kreativ eines der oft vergessenen, aber großen Themen unserer europäischen Union anzugehen – die menschenunwürdige Situation in Flüchtlingslagern vor dem Festland Griechenlands. Die Lage in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln ist katastrophal. Dort leben knapp 37.000 Menschen in Camps, die eigentlich nur für etwas mehr als 6.000 Menschen ausgelegt sind.

Das Camp nahe Moria ist das größte dieser Lager. Ausgelegt für 3.000 Menschen – alleingelassen und überfüllt mit 20.000 Menschen – und eine Pandemie, die das Leben der Schutzsuchenden bedroht. Moria – ein Ort, den es nie hätte geben dürfen.

Nahe dem Dorf Moria in der Gemeinde Mytilini entstand im November 2015 eine Aufnahmeeinrichtung für 3.000 Schutzsuchende. Seit Frühjahr 2016 ist es hauptsächlich Abschiebezentrum zur Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens vom 18. März 2016 zur Rücknahme der von der Türkei kommenden Flüchtlinge. Schon 2016 kam es durch schlechte Hygienebedingungen, mangelnde Nahrung, unzureichende Unterkunftsbedingungen, Gewalt, fehlende gesundheitliche Betreuung und schleppende Asylverfahren zu Unruhen und chaotischen Lagerumständen. Im August 2019 war das Camp bereits mit dem Vierfachen seiner üblichen Belastung ausgelegt. Rund um Moria ist eine wilde Kleinstadt aus Zelten, Holzhütten, Planen, Drahtkäfigen und allem anderen entstanden, dass ansatzweise als Unterkunft dienen kann. Aktuell befinden sich diesem Camp, das für 3.000 Menschen schon nicht ausreichend war, ca. 20.000 Menschen. Diese Anzahl entspricht z.B. einer deutschen Kleinstadt. Von den ca. 20.000 Schutzsuchenden sind 40 % Kinder und von diesen 40 % sind ca. 1.000 ohne Angehörige auf sich alleine gestellt.

Gescheiterte Evakuierung

Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR fordert u.a. seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie die Verlegung von Familien und Kranken an andere Orte, aber schon der Schutz der Kinder und unbegleiteten Jugendlichen stellt die EU Staaten wochenlang vor Probleme. Nachdem Luxemburg und Deutschland nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen von den geplanten 1.600 aufzunehmenden Kindern und Jugendlichen 59 aufnahmen, stockte der Prozess erneut. Aus Sorge vor einer öffentlich werdenden Ausbreitung der Coronapandemie im überfüllten Lager nahe Moria, haben die griechischen Behörden am 3. Mai 2020 hunderte besonders gefährdete Schutzsuchende aufs Festland bringen lassen. Besonders ältere Menschen und Familien durften das Lager auf Lesbos verlassen. Bis jetzt wurden über 400 Menschen mit Bussen zum Hafen nach Mytilini gebracht und von dort aus ans Festland geholt. Zwei Tage später reisten weitere 100 Schutzsuchende nach Medienberichten von Lesbos nach Piräus. Dies ist natürlich ein Beginn, aber wohl eher ein symbolisches Zeichen, wenn man sich die Zahlen der größten Rückholaktion der BRD anschaut, bei der in mehreren Woche 225.000 Menschen nach Deutschland zurückgeholt worden sind.

Der erste Schritt ist nun getan, aber die Evakuierung eines Teils der Schutzsuchenden löst nicht das Problem, denn besonders tragisch ist an der Lage vor Ort, dass sich eine Eskalation von Beginn der Überfüllung ankündigte. Die dramatischen Lebensumstände der Menschen wurden und werden schon zu lange geduldet. Wir brauchen ein gesellschaftliches und politischen Umdenken in der Flüchtlingsfrage, denn Migration und Migrationswellen gibt es seit Anbeginn der Menschheit. Diese Perspektive haben die europäischen Staaten bis heute leider nicht gemeinsam einnehmen können um die große Herausforderung, aber auch Chance, die uns 2015 erreichte anzugehen.

Die Bedrohung durch Covid19

Nun ist der falsche Zeitpunkt, um diese Diskussion zu führen, denn tausende Menschen brauchen unsere akute Hilfe. Natürlich gilt die Aufmerksamkeit derzeit dem Kampf gegen die Pandemie. Da kann es auf den ersten Blick durchaus verständlich erscheinen, dass die Kraft für andere Probleme nicht reicht. Aber die Aufnahmelager in Griechenland, das Lager in Moria, sind kein „anderes“ Problem. Das Virus findet dort für seine Ausbreitung beste Bedingungen vor. Moria und alle weiteren Camps können und werden, wenn nicht bald etwas getan wird, zu einem Infektionsherd werden, in denen sich das bisher bestehende Elend und die Gewalt noch verstärken werden. Experten warnen schon lange vor der Katastrophe; wenn die Lager nicht bald evakuiert werden und den Menschen vor Ort nicht umfangreich geholfen wird, werden Tausende sterben.

#LeaveNoOneBehind

Medical Volunteers International e.V. ist einer der letzten Organisationen im Camp in Moria, welches aktuell den Bewohnern akute Hilfe leistet. Die Organisation investiert in medizinische Schutzkleidung. Vor allem in Masken und Atemschutzgeräte, in Medizin für Erkrankte, sowie in Nahrung, um den unzureichenden Bedarf aufzufangen, sowie in Kleidung. Des Weiteren unterstützt die Organisation die wenigen verbliebenen medizinischen Hilfsorganisationen, wie z.B. Ärzte ohne Grenzen und die eigenen Freiwilligen vor Ort, damit diese ihren Lebensunterhalt decken können. Nahezu alle Helfer*innen sind auf Grund der Reiseeinschränkungen und ihrem Ethos vor Ort in Lesbos geblieben. In dem Wissen, dass wenn sie abreisen, niemand nachkommen wird, um die Schutzsuchenden zu unterstützen. 

Aus diesem Grund und ganz im Sinne: “ Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“, habe ich eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Mit dieser wird Medical Volunteers International e.V. geholfen, die akute Hilfe auf Lesbos weiter aufrecht zu erhalten.

Ich freue mich über jede Unterstützung und danke Jezzi für ihren großartigen Support.

Liebe Grüße und bleibt gesund,

Hannah

Kontaktdaten: hannah.pohlen@gmx.de

2 Kommentare zu „Gastbeitrag: #LeaveNoOneBehind

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