Bin ich hier im Ausland?

… anscheinend ja, denn die Liste der Wörter, die ich hier nicht benutzen kann aufgrund Sprachbarrieren wird immer länger. Im besten Falle wird man fragend angesehen, im schlechtesten ausgelacht.

Solche Wörter sind z.B. Manschgerl und Gegerle. Aber auch das ein oder andere Wort wird verstanden! Aber halt… anders. Jedenfalls bekomm ich dann was anderes.

z.B.
Wer hier ein „Bier“ bestellt, will ein Pils. In meiner Heimat wurde Pils nur von betrunkenen Jugendlichen nachts um 2:00 Uhr an der Tanke gekauft weil es viel billiger war als das anständige „Helles“. Und man bestellt sich kein Weißbier, sondern ein Weizen – und den Zusatz „alkoholfrei“ kennt man nicht.

Und dann die Sache mit dem Brötchen… Ich will endlich wieder Semmeln essen und keine Schrippen. Und das die Preußen den Unterschied zwischen Bratkartoffeln (mit Zwiebeln, Salz & Pfeffer und Kümmel in der Pfanne GEBRATEN) und Röstkartoffeln (nur mit Salz in der Pfanne GERÖSTET) nicht kennen und sich dann über Bratkartoffeln beschweren weil sie Röstkartoffeln erwarten…. schrecklich! Insbesondere wenn es dann heißt, die Bayern könnten keine Bratkartoffeln.

Und selbst nach 8 Jahren im Exil bekomme ich fast täglich Hautausschlag weil überall von der „Brezel“ die Rede ist. Brezeln sind aus Salzstangenteig und werden in unterschiedlichen Größen in zugeschweißten TÜTEN zum Knabbern verkauft. Brez’n sind aus Laugenteig – und wenn ich eine verdammte „Butterbrez’n“ bestelle, dann ist das nichts großartig neumodisches was man mit „Was ist denn das?“ kommentiert, sondern man beschmiere mir einfach eine Breze mit Butter!

Es heißt Kartoffelbrei und nicht Kartoffelpü! Und es sind Knödel… und wenn ich Spätzle sag, dann mein ich die preußischen Knöpfle (oder schwäbischen Spatz’n) und ich will sie nicht essen müssen wie Spagetti. Und ich weigere mich „Rotkohl“ zu sagen wenn es Blaukraut gibt und bei „Weißwürstchen“ stell ich mich sowieso taub und baue einen Sichtschutz, wenn sie jemand nach 12 Uhr isst…. wohlgemerkt: jeden Bissen Wurst einzeln aus der Pelle geholt. Mit Messer und Gabel.

Ach… ihr habt es sicher schon gemerkt, ich hab Heimweh…

Vielleicht weil morgen Heilig Abend ist und hier der Weihnachtsmann und nicht das Christkind kommt.

Advertisements

4 Gedanken zu “Bin ich hier im Ausland?

  1. Hi Jezabel,
    ich versteh dich gut. Hier in Wien ziehen auch immer mehr „Fremdwörter“ ein, dank deutscher Fernsehsender. Viele Jugendliche sprechen nicht einmal mehr unsere regionalen Dialekte. Und viele ur-österreichischen Wörter sterben aus.
    Das ist Sprache… auch wenn ich es lieber anders haben will.

    Viel Freude mit dem Christkind morgen 🙂
    Alles Liebe
    Rosa

  2. Oh ja, ich kann dich verstehen. Ich war drei Jahre im „Berliner Exil“ – jetzt bin ich wieder zuhause, freue mich über Semmeln und ordentliches Brot (und kein „Graubrot“ – ahhh, wie kann man sich so einen unschönen Namen ausdenken), heute Mittag gibts „Weisswürscht“ (zuzln ausdrücklich erlaubt!) und heute Abend kommt dann das Christkind und legt die Geschenke unter den Christbaum (sic!) 🙂

    Frohe Weihnachten!

    1. Genau… Graubrot – das ist auch so ne Sache… Wieso? Das hört sich furchtbar an.
      Und ich vermisse es zum Bäcker gehen zu können und einfach „ein Mischbrot, bitte“ bestellen zu können, ohne Dach tausend verschiedene Brote mit unterschiedlichen Roggenmehlanteilen gezeigt zu bekommen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s