Hilflos

Meine Schwiegeroma ist 87. Ich kenn sie jetzt seit 8 Jahren und in den ganzen Jahren war sie immer sehr wehleidig. Alles was sie interessiert hat war, dass ihre Verdauung funktioniert und was sie essen darf und was nicht.

Im April wurde es plötzlich schlimmer. Sie blieb nur noch im Bett, konnte und wollte nicht mehr essen. Sie kam ins Krankenhaus.

Dort wird eine Diagnose bestätigt, die schon seit Jahren vorliegt. Sie hat verkalkte Halsschlagadern. In der linken ist nur noch ein Durchfluss von 25 %. In der rechten liegt er bei 9%.

Auch wurde beginnende Parkinson diagnostiziert.

Sie sollte nach 3 Wochen Krankenhaus in die Reha kommen. Dort sollte sie wieder so weit gebracht werden, dass sie sich selbst anziehen, selbst zum Klo kann. Sie kam in ein anderes Krankenhaus, in der die gesamte „Reha“ so ablief, dass man morgens 5 Minuten mit ihr auf dem Gang ging. Die erste Woche lang. Die vergangen 2 Wochen hat man sie im Bett liegen lassen. Mit Bettpfanne usw. Man hat ihr einen Katheter gelegt. Keinen über die Bauchdecke. Der Urin ist fast braun. Sie nippt den ganzen Tag an einem einzigen Glas Wasser.

Heute soll sie nach Hause kommen. Ihre Wohnung wurde hergerichtet. Es gibt ein Krankenbett, einen Toilettenwagen, einen Pflegedienst, der zwei Mal am Tag kommen soll.

Vorgestern Nacht wird meine Schwiegermutter angerufen. Die Schwiegeroma ist so schwach, dass man befürchtet, sie würde die Nacht nicht überleben.

Gestern sollte ihr ein Katheter über den Bauchdeckel gelegt werden. Sie waren schon kurz vor dem OP-Saal, als sie der OP vehement widersprach.

Kasimir leidet. Genauso wie seine Eltern. Es ist, als wäre ihnen niemals der Gedanke gekommen, dass Schwiegeroma sterben könnte. Ich stehe daneben und kann nicht helfen. Einzig was anbieten konnte war, dass ich mich in den Semesterferien zu Schwiegeroma setze und mich tagsüber um sie kümmere. Gucke, das sie trinkt und isst. Nebenbei würde ich dort lernen.

Aber wird sie es bis dahin schaffen? Ihr Herz ist stark.

Ich wünschte, ich könnte mehr machen. Aber ich weiß nicht wie. Ich stehe da und sehe zu und fühle mich hilflos. Weil ich einfach nicht weiß, was ich tun kann.

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6 Gedanken zu “Hilflos

  1. Ich wünsche dir viel Kraft! Ich kann das gerade gut nachvollziehen, meine Oma liegt gerade selbst im Krankenhaus und da gab es ähnliche Probleme mit dem Darm. Leider ist sie aber bereits im Tiefschlaf und wir warten nur noch auf den Anruf. 😦

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