in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich???

Gerade stolpere ich über den gelungenen Comic auf der Seite von Erzählmirnix. Weniger „gelungen“ sind die Kommentare darunter. Sofort wird pauschalisiert: Die rotzfreche verzogene Jugend, die mürrischen Alten.

Aber ein Kommentar stieß mir extrem auf. Da erzählt jemand von einem Auffahrunfall, der eindeutig von einem Jugendlichen verursacht wurde, der zusätzlich uneinsichtig reagierte und gegenüber der Polizei handgreiflich wurde. Die „Die folgende Tracht Prügel von der Polizei“ hat der Kommentator „dann übersehen, um vor Gericht ja nix gegen die Polizisten aussagen zu können“ Der Kommentar wurde mit den Worten abgeschlossen: „Kennt jemand ne dämlichere Story Jung gegen Alt?“

Bei solchen Kommentatoren möchte ich am liebsten Schreien! Die Jugendlichen haben verkehrsgefährdend, verkehrswidrig und strafbar gehandelt. Da gab es Konsequenzen und der Führerschein war sicherlich eine Zeit weg, je nachdem was für eine „Vorgeschichte“ sie hatten, mussten sie auch zum Idiotentest.
Aber Polizisten sind ausgebildet in solchen Situationen besonnen zu reagieren. Sie sind in Nahkampftechniken insoweit ausgebildet, dass sie die handgreiflichen Jugendlichen mit nur wenig Aufwand ruhig stellen hätten können. Eine „Tracht Prügel“ ist da völlig Fehl am Platz und erst recht das „absichtliche Hinwegsehen“ um nicht gegen Polizisten aussagen zu müssen.

Hinwegsehen ist keine akzeptable Handlungsweise. Das war sie nicht zu NS-Zeiten, das ist sie jetzt nicht im Hinblick auf die Krisen im Nahen Osten, Nordafrika, Griechenland oder in der Ukraine. Und es ist auch jetzt in Deutschland keine akzeptable Handlungsweise!

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Aufgrund verbaler Aussetzer des Kommentatoren habe ich aber mittlerweile meine Zweifel, dass die Geschichte so abgelaufen ist und die Jugendlichen nicht allein wegen des eingezogenen Führerscheins handgreiflich geworden sind.

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12 Gedanken zu “in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich???

  1. Und genau weil eine derartige Argumentation („gleiches mit gleichem vergelten“ -> der Jugendliche wird handgreiflich, also darf der Polizist das auch) so populär ist, gibt es auch in D immer wieder Forderungen nach der Todesstrafe.
    Muss aber selber zugeben – es ist nicht einfach, manchmal.

  2. Der NS-Vergleich ist hier etwas unangebracht. In dem Fall ging es um eine Tracht Prügel für einen Angriff auf Polizisten. Das ist rechtlich nicht okay, aber menschlich nachvollziehbar.

    Mit dem Vergleich wertest du unschuldige Todesopfer der Nazis ab. Damit drängst du dich quasi an den Nazis vorbei nach unten…..dafür solltest du dich schämen

    1. 1939 ersuchte ein jüdischer Anwalt Schutz bei der Polizei, weil er von Jugendlichen beschimpft und bedroht wurde. Er wurde von den Polizisten verprügelt. Alle umstehenden Leute haben weggesehen.

      In der damaligen Situation wie auch in der von Ihnen geschilderten ist Unrecht passiert. Die Reaktion die gleiche. Man hat weggesehen.

      1. Dir fehlt die moralische Reife. Es handelt sich um völlig unterschiedliche Situationen. Ein Polizist, der ohne Grund angreift ist wohl kaum mit einem Polizisten vergleichbar, der sich etwas überzogen wehrt. Ich finde deine moralische Wertung infantil.

    2. … Und über den Vergleich mit den Abertausenden Toten in Afrika und im Nahen Osten regen Sie sich nicht auf? Wieso nicht? Weil das geografisch weiter weg ist als die Gräueltaten des Naziregimes zeitlich?
      Mit Ihrem Kommentar verdeutlichen Sie übrigens, dass es anscheinend legitim ist, auch beim Wegsehen zu differenzieren wann es in Ordnung ist und wann nicht. Ich kann nur hoffen, dass Sie das nicht bewusst getan haben.

        1. Das haben SIE eben nicht getan.

          Aber mittlerweile bin ich neugierig. Wie alt sind Sie? Da Sie in Ihrem Beitrag etwas von Familienkutsche schrieben, wahrscheinlich bei weitem nicht in dem Alter, in dem man sch normalerweise Alt bezeichnet.

    3. Da die Polizei sich aber rechtmäßig zu verhalten hat und nicht in „menschlich nachvollziehbar[er]“ Weise, ist das vollkommen egal.
      Es sollte zwar das Ziel sein, Schutzmann zu sein und Mensch zu bleiben, aber nicht auf Kosten des Rechtsstaates!

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