Setz mal die Tabletten ab

Meine Schwiegeroma hat Probleme mit ihrer Hüfte und nimmt daher gegen die Schmerzen Ibuprofen 800. Dazu dann Tabletten für ihre Halsschlagader, Gingium, Bronchicum und lutscht immer, wirklich immer an gezuckerten Salbeibonbons. Damit ist sie allerdings immer unglücklich (mit ihren Tabletten, nicht mit den Lutschbonbons) und  fragt andauernd ihre Freundinnen: „Muss ich die Tabletten nehmen?“
Mein Schwiegervater regt sich dann immer auf wenn ihre Freundinnen sagen: Du nimmst aber starke Tabletten, das ist nicht gut. Lass die mal lieber weg.

Verständlich…. ihre Freundinnen sind keine studierten Ärzte – wieso sollten sie es besser wissen, als der Arzt, der meine Schwiegeroma seit zwanzig Jahren behandelt und ihre Hüfte mittlerweile in und auswendig kennt?

Gestern ruft mein Schwiegervater an. Betont noch einmal, wie gut er es findet, dass ich jetzt eine Therapie beginne (ist ja noch nicht gesagt, ich hab mit der Therapeutin ja noch kein Gespräch geführt) und fügt hinzu: „Es ist wirklich mal Zeit, dass du von diesen Tabletten runterkommst. Dein Körper muss die mal komplett loswerden.“

Ich war zu überrumpelt, dass ich nichts weiter sagte als „Mh…“ dabei hätte ich sagen sollen: „Würdest du das zu einem Diabetiker auch über sein Insulin sagen? Seit wann bist du denn studierter Mediziner!? Soll ich zu Oma Luisa gehen und sagen, sie soll ihre Tabletten für die Halsschlagader absetzen, damit ihr Körper mal von den Tabletten runterkommt?“

Immer diese Doppelmoral, diese Verlogenheit, diese Falschheit…

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13 Gedanken zu “Setz mal die Tabletten ab

    1. nein, ich hab meinen Ärger nicht gleich kundgetan. War viel zu geschockt. Wenn er mich aber noch einmal darauf ansprechen sollte, werde ich es ihm sagen.
      Natürlich meint er es nur gut. Die Freundinnen meiner Schwiegeroma aber auch, wenn sie sagen, sie soll die Tabletten absetzen. Das Problem bei meinem Schwiegervater ist einfach, dass er eine Depression nicht als Krankheit wie z.B.die Hüftschmerzen meiner Schwiegeroma ansieht. Als wäre man Irre und müsse sich einfach mal zusammenreißen.

      1. Hm. Und wenn Du ihm das mal erklärst? Das Thema hatten wir ja schon mal, ich glaube, bei mir im Blog: Viele Menschen denken eben, dass Depression – ebenso wie Burn-out – nur, hm, Anstellerei ist oder so, nichts, was man wie Du sagtest mit ein Bisschen sich mal zusammenreißen wieder hinbekommt. Wissen nicht, dass das eben doch eine richtige Krankheit ist.
        Ich sehe das so: Entweder Du redest mit ihm, oder Du wirst Dich immer wieder darüber ärgern, was Eurem Verhältnis ja sicher auch nicht gut tut. Vielleicht hast Du es ja auch schon versucht, ihm zu erklären. Dann versuch es noch einmal. Und wenn er es dann immer noch nicht einsieht, nun, dann zeig ihm Deinen Ärger! Du hast ein Recht darauf, dass das ernst genommen wird!

        1. ich habe ihm ja schon öfters erklärt. Er hat es ja auch ein wenig eingesehen… sonst würde er das mit der Therapie nicht begrüßen. Aber richtig verstehen tut er es nicht – und will es nicht. Und auch wenn ich mich jetzt hinsetze und ihm wieder Stück für Stück erkläre, dass das wirklich eine echte Krankheit ist und Tabletten nötig sind, damit ich nicht unterm nächsten LKW liege, wird er immer wieder solche Sachen sagen. Weil er nicht nachdenkt.

        2. Du, weißt Du was? Dann sag ihm das, pamp ihn doch mal richtig an deswegen! Wenn es anders nicht geht? Nur schluck`s nicht runter!

        3. Boxen ist klasse! *schnief*, ich wünschte, ich könnte noch … Anyway. Viel wichtiger: Schluck Deinen Ärger nciht mehr herunter! Sag, wenn Dich etwas aufregt, aber sag es dem Verursacher! Und sag es mit Wut und Enttäuschung! Nur so kannst Du vielleicht etwas ändern!

        4. Ich kann Molly da aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Es gibt leider immer wieder Menschen, die sehen Depressionen oder andere psychische Erkrankungen eben nicht als Erkrankung sondern einfach als zB. Faulheit oder anderes, was man mal eben so mit ein bisschen Willen einstellen kann.
          Solchen Menschen muss man einfach auch mal die Wut über solche, mit verlaub, total bekloppten Ansichten sagen. Das führt zwar nicht immer dazu, dass sie einsehen etwas falsch gemacht zu haben, aber immerhin läuft man nicht weiter mit der Wut im Bauch rum.

  1. Für mich klingt das so, als ob er psychisches Krankheiten nicht auf der gleichen Stufe wie physische sieht. Kann das vielleicht sein?
    Ich würde versuchen (ich wäre vermutlich auch zuerst einmal sprachlos gewesen) ihm das ganz deutlich zu sagen.

    1. Das ist leider so. 😦 und ich weiß nicht wie ich es ihm noch beibringen könnte. Wenn er nochmal so etwas in der Richtung sagt, hoff ich, dass ich dann schnell reagiere und ihm was passendes antworte

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