Wieso tue ich es nicht?

Sonntag habe ich den ganzen Tag kaum etwas anderes getan, als Lösungsskizzen zu Fällen anzufertigen. Und es hat eine Menge Spaß gemacht.
Genauso das Schreiben der Klausur gestern.
Ich merke ganz deutlich, dass ich wirklich, wirklich Spaß daran habe. Es mag sich seltsam anhören, aber das gleiche Gefühl hatte ich, wenn ich Matheaufgaben gelöst, Texte oder Gedichte analysiert habe.
Vor zwei Jahren habe ich jeden Tag bevor ich ins Bett gegangen bin, Sudoku gelöst und als Kind liebte ich die Bücher von Kommissar Kugelblitz

Bis vor wenigen Jahren habe ich meine Tage damit verbracht, zu lesen. Ich habe Bücher verschlungen, gesammelt und gehortet. Bücher waren nicht einfach Bücher… sie waren… Sammelleidenschaft. Es genügte nicht, ein Exemplar von „Stolz und Vorurteil“ zu haben. Ich musste jedes „schöne“ Exemplar haben, verschiedene Übersetzungen, Ausgaben… Ich las nicht nur ein Buch über Elizabeth I. Nein, hatte ich ein neues Thema gefunden, las ich fünf, zehn, fünfzehn Bücher zu dem Thema. Egal ob Biographie, Roman oder Jugendbuch.
Das letzte Mal habe ich im vergangenen September ein Buch nach dem anderen Verschlungen. 7 in 4 Wochen… das war in etwa so viel wie in 2013 insgesamt (Schullektüren zählen nicht)

Die Jahre davor hab ich noch gelesen… aber nicht mehr intensiv. Hier und da mal ein Buch. Oft hab ich über eine Woche für einen Roman gebraucht…. nach fünf oder sechs Seiten war Schluss. Lieber habe ich mich vor den Computer gesetzt und eine Serie nach der anderen „gehört“, während ich wahl- und ziellos durchs Internet gestreift bin. Jeder Artikel auf Spiegel Online wurde gelesen… alle paar Minuten auf Facebook geguckt, ob es nicht irgendwas neues gab – und mich dabei schrecklich gelangweilt.

Immer mal wieder habe ich halbherzig am NaNoWriMo teilgenommen, bis ich 2013 ihn ernsthaft angegangen – und gewonnen habe…. und ich merkte, es ging mir schon lange nicht mehr so gut. Jeden Tag sich hinzusetzen und zu schreiben… ich war wach, fühlte mich wohl, hatte Spaß. Der beste Monat in 2013, abgesehen von meinem Urlaub in den USA.

Die letzten Jahre wurde die Langweile ein treuer Wegbegleiter. Kaum ein Tag bot etwas anders als Langweile und das obwohl ich wusste, dass ich etwas anderes tun könnte, etwas sinnvolles, etwas das mir Spaß macht.. Aber ich konnte – und wollte – mich nicht aufraffen und so vergingen Tage, an denen ich nichts anderes tat, als von morgens bis abends Gilmore Girls, Castle, NCIS, Drop Dead Diva, The Big Bang Theory , Buffy, Angel, True Blood, The Good Wife, Suits, Gossip Girl, Scandal, Grey’s Anatomy…. und wie sie alle heißen und hießen. Oft habe ich die Serien mehrfach verschlungen. Eine Folge nach der anderen. 7, 8 oder 9 pro Tag und mich dabei tödlich gelangweilt. Was Ende Januar die Süddeutsche schrieb, war mir nicht neu. Aber bin ich jetzt süchtig nach Serien… oder einfach nach dem Hintergrundgeräusch? Und wieso… wieso tue ich nichts gegen diese verdammte Langweile?

Warum bevorzuge ich die Langweile, wenn ich genau weiß, was mir Spaß macht … und sich das auch relativ günstig bewerkstelligen lässt? Für die Uni muss ich sowieso etwas tun… ich könnte mehr tun, wenn es mir doch sowieso Spaß macht! Ich könnte all die Bücher lesen, die ungelesen meine Regale annektieren. Könnte mir für 10 Euro einen Bibliotheksausweis besorgen, könnte meine Nachmittage wieder in Buchhandlungen verbringen, Sudoku lösen – und am wichtigsten: ich könnte wieder schreiben. Ich könnte jeden verdammten Tag etwas tun, was mir Spaß macht.

Wieso verdammt noch mal tue ich es dann nicht?

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5 Gedanken zu “Wieso tue ich es nicht?

  1. Die junge Studentin Jezzi (J) schaut sich gerne Serien an. Dann entdeckt sie im Internet die frei zugängliche und kostenlos anschaubare Serie „Molly L. – Szenen aus dem Leben einer Hausfrau“ der Produzentin M. Logan (L).
    Aufgrund der spannenden Plots, der realistätsnahen Gestaltung und ders hohen Symphatiefaktors der Hauptdarsteller verliert sich J immer mehr in der Welt dieser Serie. Sie konsumiert immer mehr Folgen pro Tag, bis sie schließlich ihr Studium schmeißt und 20 Kilo zugenommen hat.
    Eines Tages dann greift Js Freund und Mitbewohner Kay (K) ein und entreißt Ihr als sie schläft ihr Laptop sowie Ihr Smartphone. Er beseitigt die Geräte und kündigt auch in Js Namen den Internetanschluß.
    J fordert aufgebracht Schadenersatz von K sowie die sofortige Wiederherstellung der Internetleitung. Zudem fordert sie Schadenersatz und Schmerzensgeld.
    Ks Anwalt lehnt alle Forderungen ab und beruft sich dabei auf das Vorliegen einer Geschäftsführung ohne Auftrag.

    Wie ist die Rechtslage?
    Und wird J den K jemals wieder ranlassen?
    Fragen über Fragen … 😉

  2. Dein Artikel spricht mir aus der Seele. Zwar schaue ich nicht sehr viel TV (inzwischen mehr, weil ich mir so ein Ding jetzt auch in die Bude gestellt habe), aber der PC ist mein Wegbegleiter und wenn ich dort fertig bin, schaffe ich es mich am Handy abzulenken 😦 Irgendwie traurig. Lesen und Schreiben macht wirklich extrem viel Spaß und ist so ….. erfüllend o:-)

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