Geht es nur mir so? #JeSuisCharlie

Immer wieder lese ich im Netz davon, dass man froh ist, dass die Attentäter von Paris bei der Festnahme erschossen wurden. Auch Bekannte von mir haben sich positiv darüber geäußert. Es würde ein „befriedigendes Gefühl“ hinterlassen.

Ich sehe das anders. Bei mir hinterlässt es einen bitteren Beigeschmack. Wir leben hier in einer Demokratie, wir stehen für Meinungsfreiheit. Und Europa tritt seit Jahren vehement für eine Welt ohne Todesstrafe ein.
Ich hätte es lieber gesehen, man hätte die Täter festgenommen und in einem Gerichtsprozess für ihre Gräueltaten ordentlich verurteilt. Natürlich kenne ich mich mit französischen Recht nicht aus, aber soweit ich weiß gibt es bei Mord dort ebenfalls Lebenslänglich… und es müssen bei besonders schweren Fällen 30 Jahre verbüßt werden, bevor geprüft werden kann, ob die restliche Strafe ausgesetzt wird. 30 Jahre im Gefängnis hört sich für mich jedenfalls nach einer gerechteren Strafe an, als ein schneller Tod. Außerdem… zählt ein im Kampf Gefallener bei diesen Terroristen nicht als Märtyrer? In dem Fall hat man ihnen sogar einen Gefallen getan, als man die Täter erschoss.

Ich weiß, dass die Einsatzkräfte keine andere Wahl hatten, als die Täter zu erschießen. Aber dennoch… ich bin keineswegs „froh“ darüber oder fühle mich „erleichtert“.

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7 Gedanken zu “Geht es nur mir so? #JeSuisCharlie

  1. Ich sehe das anders 🙂 Ich bin für die Todesstrafe*, besonders für terroristische Akte. Ein Beispiel:

    Die zwei wären festgenommen worden. 2 Wochen später kommt die Nachricht von IS „Freilassen oder wir zünden in jeder Hauptstadt Europas eine Bombe!“ Wir lassen sie nicht frei. Boom. Tausende Menschen sterben. Würden wir sie freilassen, wäre das ein verstoß gegen unsere Demokratie und eines Rechtsstaates. Der Tod der Terrorristen ist also das beste.

    *Auch hier würde ich differenzieren. Eine Frau, die ihren Mann umbringt würde meiner Meinung nach die Todesstrafe nicht verdienen. Anders Behring Breivik jedoch hätte sie verdient. Lebenslänglich heißt in unseren Breiten nicht für immer. Am Beispiel vom Breivik zB. Er wurde zu 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Auch das heißt in unseren Breiten nicht für immer. Er hat 77 Menschen, darunter fast 70 Kinder erschossen. In so einem Fall bin ich eindeutig für die Todesstrafe.

    1. Aber wie möchtest du die Todesstrafe mit unserem Rechtssystem vereinbaren? Wenn wir Vergeltung üben, in dem wir die Terroristen umbringen und sie so zu Märtyrern machen, sind wir doch auch nicht besser als sie. Ein Gerichtsprozess demonstriert jedoch unsere moralische Überlegenheit.

      Und war nicht vor kurzem noch der Fall des Belgiers in aller Munde, der sich vor Gericht die Sterbehilfe erstritten hat? Da wurde auch darüber diskutiert, ob das nur eine Möglichkeit ist, dem lebenslangen Strafmaß zu „entkommen“?

  2. Ich persönlich bin froh, dass man die akute Terrorsituation dort vorerst beenden konnte. Meine Gedanken sind bei den vielen verängstigten Menschen dort. Um die Täter tut es mir nicht leid, wenn man die Situation nicht anders lösen konnte. Eine Festnahme u Prozess hätte ich jedoch auch als befriedigender empfunden.

  3. Hm. Deine Überlegungen, liebe Endless, gehen ja in 3 völlig verschiedene Richtungen:
    1. Ist es zulässig, sich über den Tod eines Menschen zu freuen?
    2. Thematik Todesstrafe
    3. Ist ein schneller Tod eine gerechete Strafe, als eine lange Gefängnisstrafe?

    Du vermischst hier also 3 völlig unterschiedliche Dinge miteinander und das tun andere Menschen auch, daher die Problemaktik. Oh ja, das klingt jetzt aber klugsch**ßerisch… 😦

    Was ich meine, ist:
    Man kann da geteilter Meinung drüber sein, aber trotzdem vom Wesen her das Selbe meinen. So kann sich zB einer darüber ärgern, dass die Terroristen „schnell und sauberer“ gestorben sind, weil er für die lieber eine lange und somit in seinen Augen qualvollere Strafe bekommen hat. Ein anderer kann sich darüber freuen, weil er das als Gerechtigkeit ansieht: Die Beiden wären sich also im Grunde einig, dass diese Leute schlimmstmöglich für ihre Taten bestraft werden sollen.

    Und genau so können auch Menschen GLEICHER Meinung sein, aber verschiedene Motive haben können.

    Und auch Du bringst verschiedene Überlegungen an:
    – Lange Freiheitsstrafe = gerechter?
    – Gegen die Todesstrafe
    – Sich nicht auf das selbe Niveau begeben
    – Aus den Terroristen keine Märtyrer machen

    Aber in diesem Fall denke ich, sind diese Überlegungen obsolet: Das war schließlich keine angeordnete (und juristisch „bewilligte“) Hinrichtung, sondern sozusagen Notwehr.

    Ob man sich über den Tod eines Menschen freuen darf? Nein, sicher nicht, nicht im engen Sinne.
    Ob man erleichtert sein darf, wenn eine böse und fiese Macht ausgerottet ist und keine Bedrohung mehr darstellt? Natürlich.

    Hier vermischen sich einfach zu viele Komponenten miteinander, denke ich. Hinzu kommen natürlich noch die Emotionen, die grade einfach mal hochkochen. Kein Wunder. Da ist jede Menge Wut und Zorn und Trauer im Spiel. Und auch Angst.

    Ich würde solche Äußerungen also nicht so streng beurteilen, nicht wortwörtlich nehmen.

    1. Warum habe ich Dich „Endless“ genannt? HILFE!!!! Sorry!!! Oh Mann: Ich werde alt.. 😉 Nee sorry, hatte grad bei ihr gelesen, vielleicht deshalb, *schäm*

  4. Die Todesstrafe soll ja das Ergebnis eines fairen Gerichtsprozesses sein und ich persönlich finde es legitim, ein solches Strafmaß anzuwenden. Eine Gefängnisstrafe soll den Täter ja auf sein Unrecht hinweisen, ihn dafür bestrafen und gegebenenfalls „umerziehen“. Bei einem Terrorist hast du nur eine der drei Komponenten. In seinen Augen war das, was er getan hat richtig und hat es aus tiefster Überzeugung getan. Und wie gesagt, die ermordeten Terroristen waren nur Handlanger. Säßen sie jetzt im Gefängnis, wäre in meinen Augen die Sicherheit der westlichen Welt, aufgrund wahrscheinlicher Erpressungen, sehr in Gefahr. Und Erpressungen von solchen Menschen sind ernst zu nehmen.

    Wie gesagt, ich differenziere da. Ein Terrorist verdient in meinem Augen immer die Todesstrafe, eine Ehefrau, die vielleicht aus Wut ihren Mann tötet, nicht.

    1. Menschen, die Behinderten oder Mädchen Sprengstoffgürtel umbinden, in Menschenmengen schicken und die Bomben dann fernzünden, oder Selbstmordattentäter ausbilden, sind die Menschen im Allgemeinen egal. Egal ob Feind oder Gleichgesinnter. Da zählt nur die Idee. Daher glaube ich nicht, dass sie die 3 Attentäter versucht hätten freizupressen. In deren Augen haben sie ihr „Soll“ erfüllt.

      Klar soll Strafe bestrafen, resozialisieren und auf das Unrecht hinweisen, aber es soll auch eine Prävention darstellen. Aber nur weil es bei Terroristen nur auf eine der Möglichkeiten hinausläuft, ist es dennoch keine Rechtfertigung dafür, ihn hinzurichten.

      Wenn wir Mord auf einer Seite als rechtswidrig ansehen, wieso sollte man es dann auf der anderen Seite erlauben? Da wären wir wieder beim alttestamentlichen Auge um Auge, Zahn um Zahn und wir haben das Mittelalter und den Faschismus nicht hinter uns gelassen um dann wieder zu den alten Sitten zurück zu kehren.

      Wenn Terroristen in deinen Augen die Todesstrafe verdienen, müsste auch jeder, der den § 211 erfüllt, die Todesstrafe verdienen.

      Wenn wir die Todesstrafe wieder einführen würden, würden wir uns auf der gleichen Stufe begeben wie China, Irak, Iran und Nordkorea. Alles keine Länder, deren Rechtsordnung wir gerne hätten, jedenfalls geh ich mal davon aus, das jeder vernunftbegabte Mensch das nicht möchte. Und wer jetzt die USA anführen möchte… meiner Meinung hat es einen direkten Zusammenhang zwischen aktivem Vollzug der Todesstrafe und der Anzahl der Straftaten. Auch gibt es, wieder meine subjektive Meinung, einen direkten Zusammenhang mit der Bereitschaft, einen Menschen zu erschießen, und der Durchführung der Todesstrafe. In einem Land, in dem es gesellschaftlich völlig akzeptabel ist, einen Straftäter, der für andere eine Gefahr darstellt, zu ermorden, ist es auch völlig akzeptabel, z.B. bei einem Polizeieinsatz den vermeintlich bewaffneten Verdächtigen zu erschießen.
      Daher gibt in einem Land wie Deutschland, in dem das Leben des einzelnen das höchste Gut ist, nur 8 durch den Finalen Schuss geödete Menschen und 42 abgefeuerte Kugeln (beides 2013), während es in den USA, in der munter weiter die Giftspritze gesetzt wird, obwohl die Mischung noch nicht ausgetestet ist, während es in den USA über 400 Tote und in die tausend gehende abgeschossene Kugeln sind.

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