Das erste Beschnuppern

Vor ein paar Tagen war nun das erste inoffizielle Erstis-Treffen. Etwa 30 von den 200 eingeschriebenen Jura-Studenten des ersten Semesters trafen sich in der ZWU-Stadt. Ich hatte „Glück“, direkt im Zug auf zwei meiner Kommilitoninnen zu treffen.
Heidi ist neunzehn, Polly zwanzig – und beide haben absolut keine Ahnung, worauf sie sich einlassen.
Heidi ist der festen Überzeugung, dass die „Pflichtveranstaltung nach Wahl“ freiwillig ist und sie deswegen an einem Tag der Woche, an dem gleich zwei solcher „Freiwilligen Veranstaltungen“ sind, frei hat. Der Stundenplan überhaupt ist ja total lässig. Ich habe nichts dazu gesagt, da ich nicht schon beim ersten Zusammentreffen wie eine Gouvernante auftreten wollte. Polly hat dann kurz darauf etwas über den Sprachenschein gesagt, dass man den eventuell dieses Semester nicht mehr machen kann, da die Kurse schon im September hätten belegt werden müssen, woraufhin Heidi die Augen aufriss: Was? Wir müssen einen Schein in einer Fremdsprache machen?
Kurz darauf gab sie selbst zu: Irgendwie habe ich das Gefühl ihr seid sehr viel besser Informiert über das Studium als ich.

Die 30 Personen waren an sich dann recht durchmischt. Das Durchschnittsalter etwas um die zwanzig, der ein oder andere „ältere“ ist dabei, aber auch ein 17-Jähriger Überflieger (der unglaublich sympathisch ist). Wir versackten in einer kleinen Kellerkneipe (ohne Netzempfang) und versuchten uns über den Lärm der anderen Gäste und der Musik hin zu unterhalten. „Was hast du nach dem Studium vor?“, war eine der beliebtesten Fragen. „Ich weiß es noch nicht“, die beliebteste Antwort.
Die meisten tranken Bier oder Spezi (was ein absolut akzeptables Bierersatzgetränk ist – auch auf dem Oktoberfest) und amüsierten sich einfach. Dennoch waren auch jene Exemplare dabei, die Backfischgleich sich an ein Glas Rotwein (egal was für einen, Hauptsache Rot), festhielten um erwachsen, weltgewandt zu wirken, ohne zu merken, dass sie dafür das Glas bitte auch richtig anfassen sollten. Aber auch hier… ich sagte kein Ton und hielt meine innere Gouvernante gebändigt.

Dennoch war es irgendwie interessant – und es wird noch interessanter zu sehen, wie der ein oder andere sich wohl im Studium fängt, denn irgendwann kam das Gespräch auf die „Pausen“ zwischen den Vorlesungen, und die Frage, was könnte man da denn tun. „Im Park dösen“ oder „zur Mensa gehen?“… heftig diskutiert. Irgendwann sagte ich: Man könnte auch nebenan in die Bib gehen, was mit einem ungläubigen „Um zu lernen???“ quittiert wurde.

Nach 4 Stunden löste sich die Gruppe langsam auf – und ich war einfach nur froh, in meine Bahn steigen zu können.
Dieses Treffen hat mir die Augen geöffnet. Die nächste Zeit, werde ich gelassen einfach mein Ding durchziehen und Spaß daran haben, diese Horde Frischlinge zu beobachten und mich zu fragen: war ich auch mal so?

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8 Gedanken zu “Das erste Beschnuppern

  1. Deine Kommilitonen nehmen es jetzt noch ganz locker. Spätestens, wenn das erste Semester vorbei ist, werden sie merken, dass ein Studium nicht unbedingt locker von der Schulter geht.
    So ist es vielen von uns ergangen. Die meisten, die ich damals kannte, haben bereits aufgehört.
    Ich dachte damals auch, frisch aus der Schule, das wird alles leicht. Aber Pustekuchen. Nach dem ersten Semester habe ich realisiert, dass das Niveau wesentlich höher ist, als in der Schule.
    Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen für einen guten Start. 🙂

    1. danke 🙂 ich hoffe, das klappt schon. Irgendwie hab ich selbst noch eine verträumte Rory Gilmore-Version von mir vor Augen, wie ich mit Büchern unterm Arm von Vorlesung zur Vorlesung gehe und zwischendurch im Park am Baum gelehnt lerne 😀 Seltsamerweise trage ich in dieser Vorstellung Schottenrock und esse einen Apfel… ich habe vor 5 Jahren das letzte mal einen karierten Rock getragen und Äpfel mag ich eigentlich nur im Glas.

  2. Lieber besser als schlechter informiert! Viiiele Studenten unterschätzen das ganze total und wenn man durch die ersten Prüfungen gefallen ist, verliert man den Anschluss! Ich bin ganz froh, dass ich eine Hand voll tolle Freunde gefunden habe, die mich durch die Seminare begleitet haben 🙂 aber die kommen meistens erst nach ein paar Monaten zum Vorschein 🙂

  3. Das wird sicherlich noch was werden bei Euch 🙂
    Aber ich glaube, dass man es vorher grundsätzlich anders einschätzt, immerhin kennt man die Situation noch nicht. Meine Schwester beginnt gerade im ersten Semester und gehört zu denen, die ZU gut infomiert sind und sich schon Wochen vorher verrückt machen 😉

  4. So erging es mir auch ungefähr bei Studienbeginn. Ich habe bereits eine Ausbildung und habe auch schon gearbeitet und dann triffst du auf 18-Jährige, die dir was vom Leben erzählen wollen 😉

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