50 Shades of Grey? Eher die alte Leier…

Darf ich mich noch einmal über „50 Shades of Grey“ auslassen? Jetzt, da ich alle 3 (!!) Bände gelesen habe? Danke!

Wieso, wieso sind diese Romane so dermaßen erfolgreich?? OK, der erste Band war ja noch halbwegs interessant. Da kommt dieser unglaublich reiche, scharfe, gut aussehende Christian Grey und möchte der kleinen, verhuschten Studentin ans Andreaskreuz schnallen. Ja, aber er tut es nicht! Es dauert 300 Seiten bis sie endlich Sex haben und den verdammten Vertrag unterschreibt sie dann auch nicht nach 600 Seiten. Zweimal haben sie Sex der zaghaft in Richtung SM geht, zweimal darf er ihr den Hintern versohlen, beim zweiten Mal verlässt sie ihn…

Jetzt hätte es so interessant im zweiten Band weitergehen können. Von ihm getrennt könnte ihr aufgehen, dass sie seinen Lebensstil doch so interessant findet, dass sie zu ihm zurückgeht und dann endlich, endlich seine SUB wird. Nichts da. Er merkt, dass er ohne sie nicht leben kann, sie die einzige Person ist, die ihn von der dunklen Seite des Lebens ins Licht holen kann und ist daher bereit, auf weiteren 600 Seiten Blümchensex mit ihr zu haben. Am Schluss, 5 oder 6 Wochen nachdem sie sich kennengelernt haben, sagt sie endlich „Ja“ zu seinem Heiratsantrag.

Am Anfang des dritten Bandes sind sie dann schließlich verheiratet… einen Monat nach seinem Antrag… und schippern irgendwo im Mittelmehr rum und geben unverschämt viel Geld für Kunst und Schmuck aus. Interessanter wird das ganze durch den gekränkten Ex-Chef Anastasias, der sich an ihr und Grey rächen möchte. Also lässt er Greys Hubschrauber abstürzen, setzt dessen Serverraum in Brand und entführt seine Schwester. Jippie ya yeah… Währenddessen wird Anastasia schwanger… gefühlte 5 Minuten nach der Hochzeit… und jetzt kommt das beste… weil sie VERGESSEN hat zu verhüten. Ganz nach dem Motto: Huch, ich wusste gar nicht das ich beim Sex schwanger werden könnte. Dabei haben sie alle 3 Seiten Sex… Und dann nennt sie das Kind in ihrem Bauch ständig „meine kleine Blase“.

Und das ist wohl der Grund, warum die Bücher so unglaublich erfolgreich sind. Diese Anastasia Steele bekommt genau das, was sich tausende Frauen (scheiß auf Feminismus und Emanzipation) wünschen. Ohne große eigene Fähigkeiten sich einen Mann angeln, der unglaublich reich, unglaublich gutaussehend und sexuell aktiv ist. Und… Anastasia ist sexuell aktiv. Nie zu faul, nie zu müde für Sex. Er weckt sie mitten in der Nacht weil er einen Alptraum hat? Lass ficken! Sie will Fernsehen? Langweilig… Lass ficken!
Und obwohl er ein Unternehmen mit 40.000 Mitarbeitern hat, hat er reichlich wenig zutun. Samstags und Sonntags generell frei, unter der Woche wird grundsätzlich erst um 8:00 Uhr morgens aufgestanden und Nachmittags kann er ruhig seine Arbeit liegen lassen weil er dringend zu Anastasia muss um sie mit Blümchensex zu „bestrafen“, weil sie mal wieder – mehrere Kilometer von ihm entfernt – mit den Augen gerollt hat.

Ja, man kann die Romane gut lesen. Literarisch haben sie keinen großen Anspruch und das macht es möglich, sie in einem Rutsch zu lesen. Und E L James gelingt es so locker leicht über Vulvas und Vaginas zu schreiben, dass man sich kein bisschen wie in einem Aufklärungsbuch vorkommt. Pornografie geht anders. Da ist jede Aufklärungsbroschüre expliziter.

Ja, die Bücher streifen am Rande des BDSM entlang und erlauben es, dass die Leser in ihrer eigenen Comfortzone mal einen Blick riskieren können. Das kann auch tatsächlich mal anregend sein. Aber dennoch muss man leider sagen: 50 Shades of Grey ist keinesfalls ein Buch über BDSM. Es ist ein Buch über Blümchensex, wie ihn frustrierte, amerikanische Hausfrauen gerne hätten. Die Moralvorstellungen sind genauestens festgelegt: BDSM entspringt grundsätzlich einer Persönlichkeitsstörung die ihren Ursprung in einer kaputten Kindheit hat. BDSM ist pervers, aber ein bisschen, nur ein Hauch Perversion ist ruhig zu verkraften.

Ganz am Schluss ist aus dem kantigen, attraktiven Christian Grey ein liebender Vater geworden, der mit seinem Kind über die Wiesen tollt während seine Frau glücklich strahlend, erneut schwanger, im Schatten liegt und ihn beobachtet.

Wenigstens gibt es im Epilog ein interessantes Bonbon. Das erste Treffen zwischen Grey und Steele aus seinem Blickwinkel. Dieser Perspektivwechsel wäre wirklich interessant gewesen weiterzulesen. Noch interessanter, wenn Anastasia Steele den verdammten Vertrag wirklich unterschrieben hätte.

So sind die gesamten 1800 Seiten eine klassische, aber gut geschriebene, Mary Sue.

Mary Sue ist eine abwertende Bezeichnung für ein Phänomen, das vor allem in der Fan-Fiction zu bekannten Büchern und Filmen auftaucht. Des Weiteren ist der Begriff auch in Rollenspielen sehr beliebt geworden. Es handelt sich um eine meist weibliche und oft sehr junge von der Autorin (seltener vom Autor) eingefügte Hauptperson (männliche Mary Sues werden Marty Stu, Murray Stu, Gary Sue, Gary Stu oder – selten – Barry Lue genannt), die mit höchst idealisierten Zügen und Charaktereigenschaften ausgestattet ist. Sie vertritt moderne Positionen und zieht in der Handlung das Interesse aller anderen Figuren auf sich. Selbstverständlich ist, dass sie alle auftauchenden Probleme bravourös löst und sich im Laufe des Abenteuers mehrere Figuren in sie verlieben.

Da guck ich mir jetzt lieber noch einmal „Secretary“ mit Maggie Gyllenhaal an. Der bietet eindeutig mehr BDSM 😉 Und ich muss nicht aus meiner Comfortzone, sondern kann ihn ganz entspannt im Schlafanzug ansehen – oder wie lauft ihr so am Sonntag Nachmittag rum 😉

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3 Gedanken zu “50 Shades of Grey? Eher die alte Leier…

  1. Bravo! Genau meine Meinung! Diese Bücher sind wirklich schlecht, ich konnte schon das erste Buch nicht fertig lesen, weil es so langweilig war. Den Erfolg dieser Bücher erkläre ich mir so, dass die begeisterten Leserinnen ein langweiliges Sexleben führen. Wie sonst kann der Inhalt den Leser blenden? Es kann aber auch sein, dass eher die Leser zu diesem Buch greifen, die sonst nicht viel lesen. Und nun wurde das Ganze noch verfilmt und wird vermutlich ebenso erfolgreich, weil jeder der das Buch gelesen hat den Film sehen will.
    Ich mache mir inzwischen einen Spaß daraus: Jeder, der dieses Buch toll findet und begeistert weiterempfiehlt, frage ich genau, was er daran toll findet. 😀 Versuche es mal, es ist witzig.
    LG, Emma

  2. Ja, sehr schön – zum Einen fand ich das erste Buch scheiße, wollte aber wissen, ob die weichgespülte KLatschroman-Nummer so weiter geht – also danke für die Zusammenfassung XD Wird denn sein Kindheitstrauma nochmal erläutert? Ich hasse es wenn Autoren auf so billige Weise Zeit schinden und einen immer mehr hinhalten. Genauso wie bei dem Vertrag – alles was dieses angeblich so provokante Buch laut der Medien zu bieten hat, ist doch nur ein Ansatz, aber keine Umsetzung. Ich kam mir vor wie in einem schlechten Groschenroman.

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