Wer bin ich?

Gestern habe ich einen super Artikel von Molly gelesen. Sie beschreibt darin den Weg weg vom Ich hin zur Mutterrolle und wie sie sich ihr „Ich“ wieder zurück erkämpft hat.
Nachdem der Artikel mir erst einmal Angst gemacht hat (willst du das wirklich? Irgendwann ein Kind und dann so etwas erleben?), wurde mir klar, dass ich teilweise gar nicht weiß: Wer bin ich.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich meine Eltern so früh verloren habe, jedenfalls versuche ich es allen Recht zu machen. Meine eigene Meinung halte ich lieber hinterm Berg und versuche Konfliktsituationen zu meiden, bzw. so weit wie möglich aufzuschieben. Wichtige Gespräche führe ich nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Daher „pass“ ich meine Meinung auch mal an – bestimmt auch unbewusst. Oder ich widerspreche nicht, äußere mich nicht.

Heute war wieder so eine typische Situation mit Kasimirs Mutter (ich mag sie wirklich, wirklich sehr gerne!). Zu meinem Geburtstag hat sie mir einen Gutschein für ein paar Klamotten geschenkt. Heute ging es daher in das nächstgelegene Einkaufszentrum zu Peek & Cloppenburg. Schnell hatten wir tatsächlich den perfekten Jeansrock gefunden (den Kasimirs Vater so gerne an mir sehen würde). Er ist wirklich schön, aber bin ich der Jeansrock-Typ? Das letzte mal hatte ich einen Jeansrock an, da war ich 12. Schnell schlug sie mir vor, was ich alles dazu anziehen könnte: dunkelrote Strumpfhose, meine Schnürstiefel, eine kleine schwarze Strickjacke und „natürlich noch ein großes Tuch“. An sich bestimmt nicht schlecht, aber genau so würde sie es auch tragen – genau so trägt sie es auch! Aber anstatt zu sagen „Ich glaub, ich zieh lieber mein Schößchen-Oberteil und schwarze Pumps dazu an, oder eine blaue, weite Bluse“, sage ich gar nichts, nicke und lass zu, wie sie im ganzen Laden nach einem Bordeauxroten Schal sucht (keinen gefunden).

Oder vorgestern… Da hatte ich eine Situation, die jede Frau mit zwei drei Kilos zuviel fürchtet. Eine Situation, die in Komödien vorkommt, die witzig ist, wenn man außenstehend ist… peinlich für sämtliche Beteiligte (hoff ich jedoch). Kaum war ich aus der Situation raus, bin ich heulend in den Keller gelaufen. Seit Vorgestern knabbere ich daran. Es tut weh, es ist unangenehm.
Meine Chefin hat es mitbekommen, hat versucht mich zu trösten. Und hat es am nächsten Tag sofort meiner Kollegin erzählt. Ich weiß, dass weder meine Chefin noch meine Kollegin darüber lachen oder über mich spotten. Aber dennoch, wieso hat sie es erzählt?
Jedoch weiß ich, dass ich sie nicht darauf ansprechen werde. Weil ich einfach nicht in eine Situation kommen möchte, in der ich mich verteidigen, für mich einstehen muss.
Lieber lächle ich und frage mich: wer bin ich wirklich?

Advertisements

3 Gedanken zu “Wer bin ich?

  1. Liebe Jezabel!
    Erst mal Danke für Lob und Link! *strahl*
    -> Wie kann man denn „2-3 Kilo zu viel“ haben???? Forget it, Babe, Du bist genau richtig! 🙂

    „Wer bin ich?“ – Die Frage kanst Du Dir beantworten, wenn Du mal ganz alleine losziehst, ohne Kasimir, Schwiegertmutter oder sonstwen! Bummeln, Kino, essen gehen. Und auch OHNE Buch, Smartphone etc.!
    Ohne dieses ständige Ablenkungsgedöns wirst Du sehr schnell merken, dass Du da bist! 🙂

    Gute Übung für`s eigene Ich übrigens: „Nein!“ sagen! und zwar OHNE REchtfertigung! Also nix von wegen: „Nee, lieber Schwiegermutter, ich mag das nicht, WEIL….!“, sondern einfach nur anschauen und ganz ruhig sagen: „Nein!“
    Wirkt Wunder! 🙂
    Mir ist das sehr schwer gefallen, man hat ja diesen Begründungs-/Rechtfertigungsreflex, will nicht unhöflich sein. Aber: Warum sollte ich mein Meinung / meine Wünsche etc. überhaupt nach Außen hin rechtfertigen müssen?
    Ich sage Dir: Es ist! So! Herrlich!, einfach nur „Nein!“ zu sagen! Tut dem eigenen Ego unheimlich gut und man lernt auch wieder, seine eigenen Wünsche zu beachten! 🙂

    1. Der Mist ist einfach: Ich hasse es Entscheidungen zu treffen. Wahrscheinlich irgendein Kindheitstrauma… aber ich versuche es einfach zu vermeiden. Selbst wenn wir irgendwo essen gehen: „Kannst du bitte einen Platz aussuchen“
      Und da nutze ich schon gerne die Hilfe anderer á la „Was meinst du?“
      Ich bin also schon irgendwie selbst schuld….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s