Diese fiesen Vorstellungsgespräche

Gestern auf der Arbeit.

Wir haben einen neuen Aushilfskellner. Wir haben ihn für eine größere Veranstaltung von einem befreundeten Restaurant „ausgeliehen“. Als es etwas ruhiger wurde, haben wir uns auch mal miteinander unterhalten.

Er: „Wenn ich mir vorstelle, ich müsste immer in diesen Schuhen arbeiten…“ er rollte mit den Augen und zeigte auf seine Lederschuhe. „Wenn ich das Geld hätte, würde ich mir ja welche aus echtem Leder kaufen. Aber die sind ja so teuer. Vierzig Euro das Paar!“

Ich lege die Stirn in Falten. „Ja, wirklich, das ist teuer.“ Wo bekommt man bitte schöne schwarze Lacklederschuhe für gerade einmal 40 Euro????

„Wenn ich mehr Geld hätte, würde ich natürlich schon was investieren… aber ich mach das ja nur als Nebenjob.“

Jetzt wurde ich hellhörig. Ich dachte, er wäre im befreundeten Restaurant festangestellt. Ausgebildeter Restaurantfachmann.

„Wieso nur nebenberuflich? Was machst du denn sonst so?“

„Ich bin Ausbildungssuchend.“

Ich nickte. „Und als was?“

„Bürokaufmann. Aber die Anforderungen sind ja kaum zu erfüllen.“ Er seufzte lautstark, während er anfing, die polierten Gläser einzusortieren.

„Was sind das denn so für Anforderungen?“, fragte ich nach.

„Also ich hatte letztens ein Vorstellungsgespräch bei einer Supermarktkette. Da wurde ich nicht genommen, weil ich eine einzige Frage nicht richtig beantworten konnte!“ Er schien wirklich entrüstet.

„Was haben sie denn gefragt?“

„Sie wollten wissen was die Benelux-Länder sind. Woher soll man das denn wissen, wenn man das noch nie vorher gehört hat? Dabei habe ich mir noch so mühe gegeben, das logisch herzuleiten. Lux von Luxus, also müssten es arabische Länder sein, weil die ja so viel Geld haben.“

Ich schluckte.

„Aber jetzt weiß ich, dass es Belgien, Niederlande und Luxemburg sind… Also Belgium, Netherlands, Luxemburg. Ist ja englisch.“

„Und… welchen Schulabschluss hast du so?“

„Fachabi. Schnitt 2,2!“

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17 Gedanken zu “Diese fiesen Vorstellungsgespräche

    1. Lachen ist gesund 🙂

      Und immer schön die Hoffnung bewahren, dass das ein Einzelfall ist und die Jugendlichen heutzutage (okay… Anfang 20jährige) in der Regel schon wissen, wofür Benelux steht.

  1. Tja, hier handelt es sich wohl um ein Paradebeispiel dafür, dass ein guter Schulabschluss und eine gute Allgemeinbildung nicht unbedingt in Beziehung zueinander stehen müssen 😉

      1. Ich glaube, solch unwissende Menschen können einem überall begegnen – jemand aus meinem Bekanntenkreis meinte vor einiger Zeit auch eindrucksvoll und vor allem wahnsinnig selbstsicher, dass Pompeji in Griechenland liegen würde 😀

  2. Wie kann man auch nur so eine schwere Frage stellen! *Ironie*

    Da sieht man, dass man trotz guten Abschluss nicht gleich über eine gute Allgemeinbildung verfügt.

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