Chick-Lit 1. Kapitel – aus dem Giftschrank

2007 haben ich mich mal an ein Chick-Lit gewagt. Allerdings wusste ich damals nicht, dass diese für Frauen geschriebene Trivialliteratur (die gar nicht so trivial zu schreiben ist), so genannt wird.
Jetzt habe ich sie mal wieder ausgekramt und war amüsiert, was ich damals (ich war 19), so fabriziert habe. Das möchte ich euch nicht vorenthalten. Es sind bestimmt noch sehr viele Rechtschreibfehler dabei. Bitte ignoriert sie 😉 Seid gnädig.  Es ist schließlich aus meinem Giftschrank.

Thema: Was die junge Kellnerin Emilie in ihrem Leben bestimmt nicht gebrauchen kann, sind weitere Schwierigkeiten, denn davon hat sie schon genug. Doch als sie auf einer Filmpremiere überfallen wird, ist es Schauspieler Benedict, der sie rettet. Von nun an kreuzen sich ihre Wege und sie muss erkennen, dass Schwierigkeiten im ersten Augenblick nicht immer nach welchen aussehen. 

PS: Am Ende findet ihr eine Umfrage. Ob ihr das zweite Kapitel wollt oder nicht. Es wäre schön, wenn ihr an der Umfrage teilnehmen könntet.

1. Kapitel

Emilie spürte, wie sich die Wut in ihr ausbreite. Am liebsten hätte sie alles hingeschmissen und wäre nach Hause gegangen, hätte sich in ihr warmes Bett verkrochen und erst in ein paar Stunden wieder herausgekrochen. Aber das würde ihr Chef nie erlauben und sie brauchte diesen Job dringend.
Tief atmete sie ein, um sich zu beruhigen, aber es half nichts. Die Wut wollte nicht verrauchen und der Grund stand nur wenige Meter von ihr entfernt.
Kassandra. Mitbewohnerin und Kollegin. Seit ein paar Wochen stritten sie sich fast ausschließlich. Bis jetzt hatte Emilie es auf die Nähe geschoben. Sie hockten praktisch vierundzwanzig Stunden aufeinander. Aber langsam schlich sich der Gedanke ein, dass es einfach an ihrer jeweiligen Charakter lag.

Emilie arbeitete seit sieben Monaten bei dem Caterer First Class Dîner. Kassandra hatte ihr den Job besorgt, kurz nachdem sie in die Wohngemeinschaft eingezogen und aus ihrem alten Job geflogen war. Meist machte ihr die Arbeit Spaß, aber nicht an Abenden wie diesen. 
First Class Dîner kümmerte sich um das leibliche Wohl der Gäste einer großen Filmpremiere. Ein Historienepos aus Hollywood.
Vor dem Kino hatte sich eine Menschentraube versammelt und warteten auf ihre Filmstars, die irgendwann hoffentlich aus dem Vordereingang spazierten und auf dem roten Teppich Autogramme schrieben. Fawn hatte zu viele Premieren miterlebt um zu wissen, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering war. Die meisten mehr oder weniger Prominenten verließen das Theater aus dem Hinterausgang, während der rote Teppich vorne dank des Londoner Regens immer mehr einem nicht ausgewrungenen Putzlappen glich.
Die Promis wollten mit Sekt, Häppchen und dem ein oder anderem Hochprozentigen versorgt werden und gerade das fiel Emilie gerade sehr schwer. Und das alles wegen Kassandra und dem Geld.

Eigentlich handelte es sich, wie meist, um eine Kleinigkeit, die den Streit ausgelöst hatte. Emilie hatte Kassandra, wie versprochen, Kosmetika aus der Stadt gebracht, aber anstatt das Geld sofort zurückzuzahlen, nutzte Kassandra die Gelegenheit Emilie eine Lektion zu erteilen.
„Jetzt reg dich nicht so auf. Ich warte schließlich auch öfters darauf, dass du mir mein Geld wieder gibst“, neckte Kassandra, während sie leere Sektgläser gegen volle eintauschte.
Emilie schnaubte. „Was für eine tolle Begründung. Ich brauch das Geld.“ Der Gedanke an die Mietzahlung, die in wenigen Tagen wieder fällig sein würde, machte ihr Bauchschmerzen. Hoffentlich zahlte ihr Chef diesen Monat den Lohn pünktlich. Sonst könnte es knapp werden. Würde sie in einem normalen Lokal kellnern, hätte sie vielleicht nicht so große Geldprobleme. Beim Catering gab es kaum bis gar kein Trinkgeld. Aber obwohl Emilie sich um einen anderen Job bemühte, fand sie keinen. Seit der Bankenkrise gingen die Menschen nicht mehr so häufig in Restaurants und dementsprechend mussten auch die Geschäftsleitungen sparen und das taten sie meist beim Personal.
„Reg dich ab. Irgendwann bekommst du dein Geld schon wieder.“ Kassandra zwinkerte ihr zu und verschwand in der Menschenmenge.
Emilia tat es ihr gleich, nahm ihr nur noch zur Hälfte beladenes Tablett und bot ihr völlig fremden Menschen Sekt an.
Insgeheim bewunderte sie die jungen Frauen, die auf der Premierenfeier in eleganten Roben und High Heels stundenlang feierten ohne dass sich die Frisur auflöste oder das Makeup verwischte. Und während ihre eigenen Füße nach drei Stunden stehen schon in Ballerinas schmerzten, schafften diese Frauen es, auf ihren vierzehn-Zentimeter-Jimmy-Choos sogar die Nacht durchzutanzen.

„Na, alles in Ordnung“, fragte ihr Chef und legte ihr einen Arm um die Schulter. Kurz drückte er sie an sich. 
Er roch nach billigen Aftershave und unter seinen Armen hoben sich dunkel die Schweißflecken vom hellblauen Hemd ab. Das schwarze Jackett hielt er locker in der anderen Hand. Wahrscheinlich wollte er lässig wirken, sich der Veranstaltung angleichen. Dabei sah er nur lächerlich aus.
Emilia versuchte sich von ihm zu lösen, ohne unhöflich zu wirken. Sie nickte. 
„Dann ist ja gut. Wenn du hier fertig bist, geh nach hinten und hole noch eine Kiste mit Scotch. Diese Halbstarken hier schütten sich den Literweise in den Rachen.“
Er lachte. Kein Wunder. Mit jeder verkauften Flasche stieg sein Profit. Auf den Einkaufspreis schlug er dreihundert Prozent um den Verkaufspreis zu bekommen. Während er sich eine goldene Nase verdiente, gab es für die Angestellten nur den Mindestlohn und Emilie war sich sicher, dass beim Finanzamt auch nicht alles haargenau angegeben wurde.
Sie beobachtete, wie er sich langsam Richtung Bar schob, erleichtert, endlich wieder normal atmen zu können, als er sich noch einmal umdrehte: „Und nicht vergessen. Lächeln. Immer lächeln!“

Sie musste hier raus.
Emilie stellte das Tablett mit den verbliebenen Sektgläsern auf den nächst besten Tisch und ging nach hinten um ein paar Minuten Ruhe zu haben.
Im Hinterhof hatte man mehrere Lagercontainer aufgebaut, in denen die Getränke und das Essen lagerten. Dahin war sie nun unterwegs.

Obwohl sie sich kaum auf das Geschehen um sie herum konzentrieren konnte, musste sie zugeben, dass diese Premierenfeier ihr besser gefiel, als sonst. Die Produzenten, eigentlich Amerikaner, hatten sich entschlossen, die Hauptpremiere in London stattfinden zu lassen. Wohl, weil es sich um britische Geschichte handelte, die sie aufwendig mit überladenen Special Effekts verfilmt hatten.
Emilie hatte ihn natürlich nicht gesehen, aber die Vorabkritiken waren eindeutig. Imposant. So lautete die einhellige Meinung.
Aber die Stimmung im Kino und im Saal war ausgelassen. Man trank, man aß und bis jetzt hatte niemand in eine der mit roten Samt ausgelegten Ecken gekotzt. Ein DJ legte auf und die Musik gefiel Emilie. Oder sie hätte ihr gefallen, wenn sie nicht die ganze Zeit an Kassandra und das Geld hätte denken müssen.

Laut fluchend verließ sie das Theater und ging auf die Container zu, die im Hinterhof aufgebaut waren, als ihr drei junge Männer auffielen, die lässig an der Wand gelehnt waren und rauchten. Sie konnte leises Murmeln hören und vereinzelt lachte einer.
Presse, dachte Emilia. Sie hatte es schon öfters beobachtet. Pressevertreter die am Hintereingang lümmelten in der Hoffnung, einer der Darsteller oder ein B-Promi käme heraus. Ein C-Promi wurde ebenfalls gerne gesehen, insbesondere wenn er fast nackt war und beim Fremdgehen erwischt wurde.
Emilie öffnete die Tür zu einem der Container und ging hinein. Die Kiste mit Scotch stand in einem der Regale. Sie griff ihn sich, stemmte ihn sich auf die Hüfte, als sie die Tür wieder hinter sich schloss und zurück zum Theater ging.
„Hey Süße, was ist das denn für kostbare Fracht die du da so mit dir rumschleppst?“
Sofort blieb Emilie stehen und blickte die Kerle mit wütendem Blick an. Sie hatten sich von der Hauswand gelöst und sich ihr in den Weg gestellt. Die Männer waren in etwa ihrem Alter. Mitte zwanzig, trugen zerrissene Jeans und gebleichte T-Shirts. Typischer Gammellook. Nichts Aufregendes. Erst jetzt fiel ihr auf,d ass sie keine Kameras sah.
„Nichts interessantes. Lasst mich durch.“
Die Kiste wurde in ihrem Arm immer schwerer und sie stemmte sie wieder in ihre Hüfte, während sie darauf wartete, dass man ihr Platz machte.
Keck schob sie das Kinn vor. Mit der freien Hand schob sie sich eine ihrer blonden Strähnen zurück hinters Ohr.
„Ich denke du hast da etwas sehr interessantes im Karton“, meldete sich der zweite zu Wort und flankierte seinen Freund.
„Aha. Aber ich habe keine Lust jetzt mit euch da zu diskutieren. Ich muss wieder rein. Währt ihr zu freundlich?“ Emma nickte Richtung Tür. Wieder lachten die drei. Der mittlere, trat einen Schritt auf sie zu und streckte die Hand nach der Kiste aus.
„Die Kiste scheint sehr schwer zu sein. Lass uns dir helfen, dann kannst du auch wieder unbeschadet deiner Arbeit nachgeben.“ Sein Auge zuckte.
Emilie schluckte. Ihr war das Wort unbeschadet nicht entgangen. Nervös blickte sie sich um, aber sie war ansonsten alleine.
„Jetzt kommt. Mein Chef wartet und wird gleich sauer, wenn ich nicht reinkomme. Lasst mich durch.“
Doch die drei Männer bewegten sich nicht von der Stelle. „Dann sei doch vernünftig. Wir wollen doch nur mal hineinblicken.“
Ihr Tonfall war amüsiert, aber Emilie hörte die versteckte Drohung. Ihr Herz begann lauter zu schlagen. Der Streit mit Kassandra war meilenweit entfernt. Der Scotch war im Einkauf schon ein kleines Vermögen wert. Wenn sie auch nur eine Flasche klauen würden, wäre der finanzielle Schaden enorm. Für sie, nicht für ihren Chef. Schließlich müsste sie ihn ersetzen.
„Wenn du dich weigerst, können wir sehr unangenehm werden.“ Der amüsierte Unterton war verschwunden. Emilie spürte nur noch die Angst. Angst und Adrenalin.
Verzweifelt versuchte sie sich daran zu erinnern, was sie über Selbstverteidigung wusste. Handballen in die Nase, Daumen in die Augen, Knie in den Schritt, Ellenbogen in den Bauch. Aber gegen drei?
Sie rechnete sich keine großen Chancen aus. Außerdem weigerte sie sich, die Kiste auf den Boden zu stellen.
„Ich schrei um Hilfe,“ drohte Emilie.
Nun lachten sie wieder. „Das glaub ich dir gerne. Dennoch denke ich nicht, dass dich jemand hören wird.“
Emilie schluckte schwer, als ihr aufging, dass der Kerl wohl recht hatte. Die laute Musik des DJs drang durch die schwere Tür nach draußen. Man würde ihre Schreie nicht hören. Dennoch könnte sie es wenigstens versuchen.
Als ob sie sich abgesprochen hätten, machten die drei einen Schritt auf Emilie zu.
Sofort wich Emilie einen Schritt zurück. Sie könnte sich im Container einschließen und hoffen, dass irgendwann jemand kommt, der ihr helfen kann – oder die drei die Lust am Warten verlieren und abhauen.
Es waren fünf Schritte bis zum Container. Sie müsste nur fünf Schritte machen, dann wäre sie dort.
Plötzlich stürmten die drei auf sie zu. Schnell versuchte sie auszuweichen, aber als sie einen Schlag ins Gesicht bekam und nach hinten stürzte, wusste sie, dass es zu spät war. Der Karton glitt ihr aus den Händen und schlug auf den Boden auf. Sofort hörte man ein dumpfes klirren und bernsteinfarbene Flüssigkeit sickerte aus den Ecken auf den Asphalt. .
„Na…“, brummte einer der Typen und trat Fawn in den Bauch, „du hättest uns nur mal einen Blick riskieren lassen sollen. Wieder spürte sie einen Tritt in ihrem Bauch. Die Luft blieb ihr weg und sie spürte einen stechenden Schmerz in der der Seite. Das Atmen fiel ihr schwer und sie konnte Blut schmecken, als sie einen weiteren Tritt ins Gesicht bekam. „Bitte nicht“, flüsterte sie, aber die Stimme schien ihr weit weg und dumpf. Gehört sie wirklich zu ihr? .
Aber ihre Bitte blieb unbeachtet. Die drei ließen nicht ab. Immer wieder traten sie auf zu. Als Emilies Arm brach, wurde es schwarz vor ihren Augen.
„Du hättest uns nur einen Blick drauf werfen lassen sollen, Miststück!“.
„Bitte nicht!“, versuchte sie zu schreien, aber die Stimme versagte. Das Lachen dröhnte in ihren Ohren und die Musik des DJs, die plötzlich lauter zu werden schien.
„Sie hat gesagt: Aufhören!“
Eine unbekannte Stimme drang an Emilies Ohr. Dann das Geräusch eines dumpfen Schlags. Ein Gewirr von Stimmen ertönte, aber Fawn war es egal. Sie bekam immer schlechter Luft und es wurde ihr schwarz vor Augen. „Jetzt hat sich das mit dem Geld auch erledigt,“ dachte sie sich, bevor sie ihr Bewusstsein verlor.

Benedict blickte gelangweilt um sich, als er auf den Hinterhof hinaustrat und sich eine Zigarette anzündete. Sofort fraß sich das rote Glimmen in das weiße Zigarettenpapier und knisterte. Erleichtert machte er einen tiefen Zug, als er die drei Männer sah, die im Kreis standen und auf eine junge Frau eintraten. Auch sein bester Freund, Jacob, der ihn in seine wohlverdiente Raucherpause begleitet hatte, erkannte den Ernst der Situation. Ohne Nachzudenken stürmten die beiden auf die Männer zu.
Sie hörten die von Emilie geflüsterten Worte, das Lachen der Angreifer und augenblicklich wuchs ihre Wut.
Voller Zorn tippte Jacob dem größten der Dreien auf die Schulter und als jener sich perplex umdrehte, knurrte er „Sie hat gesagt: Aufhören!“
Dann schlug er ihm mit der Faust hart ins Gesicht. Er hörte die Nase brechen.
Auch Benedict schlug um sich.
Jacob wurde im Gesicht getroffen, doch die sofort stark blutende Platzwunde unter seinem Auge bremste ihn nicht. Sein Zorn steigerte sich und der darauf folgende von ihm ausgeteilte Schlag setzte seinen Gegenüber außer Gefecht. Nach ein paar gezielten Schlägen war auch der zweite niedergestreckt und der dritte trat die Flucht an. Jacob und Benedict ließen ihn laufen. Sie waren zu sehr mit der jungen Frau beschäftigt, die dort auf den Boden lag. Ihr rechtes Auge war bereits vollständig zu geschwollen und aus Nase und Mund floss ein dünner Rinnsal Blut.

„Einen Krankenwagen bitte.“
Der größere der Beiden hatte ein Handy aus seiner Tasche gezogen und gab die Adresse des Kinos durch, während er erschöpft versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Er hatte sich nach vorne gebeugt und stützte sich mit einer Hand auf seinem Oberschenkel ab. Seinem Freund erging es nicht besser. Er presste ein Taschentuch auf die blutende Wunde unter seinem Auge.
„Na, zufrieden?“, murmelte Jacob und versuchte seinen Freund anzulächeln. 
Dieser nickte. „Das hat mal wieder gut getan.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s