die Katastrophen-Hochzeit

Die gestrige Hochzeit war eine Katastrophe. Ernsthaft. Irgendwann war ich fast so weit, dem Brautvater die Augen auszukratzen und der Braut stimmungsaufhellende Mittel in ihr Radler zu geben.

Die Hochzeitsgäste kamen eine halbe Stunde zu früh. Gott sei Dank hatten wir schon alle vorbereitet.

Alle Hochzeitsgäste waren übergewichtig. Jedenfalls die weibliche Seite. Bei 60 Gästen schon eine Leistung.

Getrunken haben sie tatsächlich nur: Coke, Bier, Radler, Alster, Spezi, Limo. Erstmal.

Als sie kamen, sind sie erstmal auf der Terrasse geblieben und haben ihrer Leidenschaft nachgegeben. Zigaretten. Die haben geraucht wie ein Schlot.

Heidi und ich sind also raus. „Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen?“ lautet da der Standartspruch. Folgende Antworten wurden gegeben:
„Ein Radler. Das ist halb halb“. … ach ne. Wusste ich gar nicht. Danke für die Aufklärung.
„Bringen Sie mir ein Bier. Aber im Laufschritt!“ Bitte? Ernsthaft? Ticken Sie noch richtig? (War übrigens der Brautvater!)
„Eine Spätie“. Ähm was?“ „Eine Spätie.“ häääää? „Willst du ein Radler?“ (Fragt die Sitznachbarin der Spätie-Frau)… „nein, ein Spätie!“ Ach jetzt hab ichs… Sie will ne Spezi ….

Eine Stunde später sitzen alle an ihren Plätzen und Heidi und ich gehen durch die Reihen. Es ist mittlerweile so spät, dass mein Chef das Buffett eröffnet.

Ich steh also da, will gerade einem Gast ein Weizen und eine Coke servieren, als mein Chef die fatalen Worte spricht: Das Buffet ist eröffnet.
Augenblicklich rennt von hinten ein Gast los und mir mitten in den Rücken. Die Coke landete komplett auf mein Hemd. Der Typ hat sich nichtmal entschuldigt, sondern ist sofort weitergestürmt zum Buffett. Über die Essgewohnheiten der Gäste will ich gar nicht reden. Jedenfalls ist mir dabei der Appetit so vergangen, dass ich gestern nichtmal mehr die Panna Cotta gegessen habe, die unser hervorragender Koch gezaubert hatte.

Der Brautvater wurde dann von uns Mitarbeitern gefressen. Zum einen bestellte er direkt nach dem Essen einen fünffachen Ramazotti in einem Ballonglas (später eine Williamsbirne, ein Sektglas voll) oder bestellt bei allen Kellnerinnen Bier und wundert sich dann, warum er dann plötzlich 4 vor sich hat stehen hat.

Die Braut saß derweilen ständig woanders und nie neben ihrem Mann. Dabei zog sie eine Fläppe, als hätte man sie mit vorgehaltener Pistole zur Hochzeit gezwungen. Kann ja sein. Alle paar Minuten ist sie raus um zu rauchen und hat sich die Zigarettenasche aufs Kleid geschnippt.

Die Brautmutter hat in einer Tour Weißweinschorle bestellt. Wir stellten ihr ein volles Glas hin und sie bestellte sofort ein neues Glas. Insgesamt waren es 13.

Die weißen Stoffservietten landeten in der Himbeersoße des Desserts. Die können wir jetzt wegschmeißen. Wir haben sie dann demonstrativ auf einem Tisch ausgebreitet. Aber das hat wohl niemanden gestört.

Heidi wurde dann auch mal von der Braut am Arm festgehalten und bekam ein „Radler“ entgegen geschmettert. Heidi, Krisenerprobt, hat der Braut (die wahrscheinlich schon betrunken war, als sie ankam) erstmal erklärt, dass man auch Bitte sagen kann.

Höflichkeitsfloskeln hatten die Gäste im allgemeinen nicht drauf. Bitte oder Danke waren in ihrem Sprachgebrauch leider nicht verankert. Meist wurden die Bestellungen gebellt: „Radler!“ , „3 Bier!“, „Spätie!“

Wenigstens waren sie um 2.00 Uhr weg. (Weil ab 01:30 Uhr das All Inclusive nicht mehr galt)…

Wir haben dann noch eine Stunde geputzt und geräumt… aber wir sind leider nicht fertig geworden und daher muss ich heute etwas früher zur Arbeit… aber macht nichts. Ich brauch sowieso etwas länger. Die neue Auszubildende ist heute das erste mal da und der muss ich vieel erklären.

Ach ja… die Veranstaltung wird heute bezahlt. Ich wette mit euch, dass sie glauben, das Trinkgeld ist auch im All-Inclusive-Paket inbegriffen.

**********

Nachtrag: Gerade rief meine Chefin an. Ob es gestern schon Trinkgeld gab. Gab es nicht.  „Schade,“ meinte sie. „Vielleicht ja heute Abend.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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22 Gedanken zu “die Katastrophen-Hochzeit

  1. Oh man, ich glaube, ich hätte angesichts solch einer Gesellschaft auch eine Weißweinschorle nach der anderen getrunken. Irgendwo in einer Ecke. Mich schämend.
    Oder an der Bar…wobei ich die Weißweinschorle gegen irgendwas stärkeres getauscht hätte 😉

  2. Hammer! ich hätte auch richtig schlechte Laune bekommen, aber allein vom Lesen her muss ich sagen, dass ich das besser als Kino finde! 😀

  3. Tut mir leid wegen der unglaublichen Hochzeit.
    Leute können einfach unmöglich sein, unhöflich und frech.
    Vielleicht hatte der Typ, der dich umgerannt hat einfach Hunger und Angst, dass es nichts mehr gibt.
    Am besten finde ich den Vater, der bei allen Serviermädchen bestellt hat 🙂
    Hoffe, die anderen Hochzeiten sind besser.

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