Druck im Ohr – Hörsturz

Gestern gegen Abend gings los. Plötzlich hatte ich ein Druck im Ohr. Als hätte ich ein Oropax im Gehörgang vergessen.
„Das geht wieder weg“, sagt meine Chefin und drückt mich. „Mach dir keine Sorgen, das wird schon wieder“, sagt mein Chef und drückt mich. Nach 4 Stunden war es immer noch nicht weg und ich langsam leicht verzweifelt. Kopf schräg legen, Kopf in den Nacken, Kaugummi kauen,  Druckausgleich, im Ohr rumfummeln. Alles nichts gebracht. Kurz vor Mitternacht schlafe ich leicht beunruhigt ein.

Heute morgen: Nichts. Ich höre nichts. In meinem linken Ohr ist noch immer ein imaginärer Oropax der sämtliche Geräusche abschirmt.

Schnell gegooglet was der nächste HNO-Arzt in meiner Nähe ist und hingefahren. Pünktlich um 8 Uhr sitz ich im Wartezimmer.
Eine halbe Stunde später sitze ich bei ihm auf dem Stuhl und er hat mir nichts weiter zu sagen als: Sieht alles gut aus. Aber gehen Sie mal zum Zahnarzt. Vielleicht hat das was mit dem Kiefergelenk zutun.“
Er will mir die Hand reichen, aber ich ignoriere sie. „Aber ich höre doch nichts. Kann das nicht ein Hörsturz sein?“ In meinen Erinnerungen sehe ich meine Mutter auf dem Sofa liegen, die Nerven blank. Hörsturz.
„Sie hören nichts?“
„Natürlich nicht.“
Ich werde sofort in den nächsten Untersuchungsraum gebracht und bekomme Kopfhörer auf den Kopf gesetzt. Jedesmal wenn ich einen Ton höre, drücke ich auf einen Knopf. Rechts kein Problem. Links höre ich nichts.
„Hatten Sie schonmal einen Hörsturz?“, fragt die Ärztin mich. Ich schüttle den Kopf. Nein. Ich nicht.
„Dann warten Sie mal im Wartezimmer. Der Arzt B. macht mit Ihnen die Auswertung.“

Weitere 30 Minuten später sitze ich wieder beim Arzt und er erklärt mir, dass ich tatsächlich einen Hörsturz habe. Die Erfahrung mit meiner Mutter hätte mir wohl ein gutes Gespür dafür beschert.
Ich wünschte, es wäre nicht so.

Verschrieben wurden mir Tabletten mit einem strengen Einnahmeplan. Und Ruhe. Bin für eine Woche krankgeschrieben… was ich nur halb wahrnehmen kann. Auf meinem Kto ist gerade Ebbe und daher muss ich nächste Woche den Gourmet-Marathon mitmachen. Keine Chance da nicht mitzumachen. Wenigstens sind die Klausuren vorbei. Bis auf eine die ich erst Anfang Juli nachschreiben muss. Wird hoffentlich werden.

Jetzt hoff ich einfach, dass das imaginäre Oropax bald wieder aus meinem Ohr verschwindet.

14:13 Uhr: Seit etwa 1 Stunde habe ich jetzt auch ein extrem nerviges Fiepen im Ohr, dass nicht mehr verschwinden will. Das letzte Symptom ist jetzt also auch eingetreten. Autsch.

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15 Gedanken zu “Druck im Ohr – Hörsturz

  1. ach du scheisse. gute Besserung! Das ist ja ein Ding, hättest du nicht darauf bestanden das du nichts hörst, hätten die dich glatt nach Hause geschickt

    drück dich, erhol dich gut ♥

    1. Danke.
      Ja, das finde ich auch etwas befremdlich. Am Ende wäre ich dann erst zum Zahnarzt, dann zum Hausarzt und dann beim Psychater gelandet ^^
      Jetzt hoffe ich einfach, dass es schnell wieder wird.

  2. Bei mir war es vor 3 Jahren ganz genau so und ich habe da ein paar Fehler gemacht (und deswegen seit 26.800 Stunden ununterbrochen einen Pfeiffton auf dem Ohr), die ich Dir gerne jetzt ersparen würde:

    Geh so schnell wie möglich nochmal zu einem HNO und sag ihm, Du hättest einen Hörsturz mit Tinnitusgeräuschen gehabt. Sag ihm Du willst täglich Infusionen und zwar MIT Cortisonbeigabe.
    Ist zwar schweineteuer, aber hilft gegen das Erleben der Begleitsymptome.

    Bis dahin so viel Wasser trinken wie überhaupt nur in den Körper reingeht.
    Vielleicht ist es noch nicht zu spät und die Taubheit und das Pfeiffen können noch zumindest teilrückgängig gemacht werden.

    Ich war leider selber erst nach 5 Tagen beim HNO.
    Da war dann Alles zu spät.

    1. Oh fuck. Überhört man irgendwann denn diesen Pfeifton?

      Grad noch mit dem Notdienst telefoniert. Die empfehlen neben Kortison auch Trental-Tabletten. Die werde ich mir jetzt wohl noch schnell besorgen.

      Danke für den Rat 🙂

      1. @ Trental/Cortison: Trental KANN helfen, wenn es GANZ am ANFANG ist, bei mir war’s jedenfalls zu spät. Cortison hingegen ist anfangs echt ein dicker Freund ;-).

        @ überhören? – Sagen wir so, fast Alle Betroffenen berichten mit der Zeit von einer Besserung, die gleichermaßen wahrnehmungsinduziert sein kann wie auch tatsächlich vorhanden. Auch bei war es so, nach einigen Wochen.
        Übrigens sind die Sommer angenehmer als die Winter, die sind lauter im Pfeiffen. Und auch nach ausgiebigen Alkoholabenden wirst Du am nächsten Tag davon noch etwas hören…;-)
        Aber um Dich zu beruhigen:
        Die Allermeisten können irgendwann wirklich gut damit leben.

        @ Auslöser: Ich habe die Frage „Hatten Sie Stress?“ bestimmt 25x beantworten müssen, und es hat nur noch GENERVT immer wieder das Gleiche sagen zu müssen „NEIN. Ich habe KEINEN Stress!“

        Letztlich wirst Du Dich anfangen, mit dem medizinischen Phänomen auseinanderzusetzen, und je mehr Du erfährst, desto mehr wird Dir klar:
        Die haben KEINEN Schimmer, wo das herkommt und die haben KEINEN SCHIMMER, wie sie das behandeln sollen.

        Nimm es einfach hin als möglicherweise bleibendes, seelisches Barometer, welches DU nun auch HÖREN kannst :-D.

        1. Das Cortison hilft schon etwas, glaub ich. Der Druck ist weniger geworden und das Fiepen leiser. Dennoch ist es noch da.

          Das Fiepen höre ich überhaupt nicht, wenn ich unterwegs bin und die Umgebungsgeräusche relativ laut sind. Allerdings fällt mir das Einschlafen schwer…

          Es ist schon beunruhigend, wenn die Ärzte keine Ahnung haben, woher so etwas kommt und wie man es am besten dauerhaft therapieren kann. Wahrscheinlich ist das wie Herpes. Hat man es einmal, kommt es immer wieder?

        2. Das ist gut, denn die meiste Zeit bist Du ja „im Alltag“, und wenn es „nur“ um das Einschlafen geht, dann ist das schon mal ein gutes Zeichen…

          Ich hab am Anfang große Probleme mit dem Einschlafen gehabt, aber es hat sich gegeben. Andere, bei denen es sich nicht bessert, stellen sich dann halt nach ein paar Wochen eine leicht blubbernde Wassersäule ins Schlafzimmer oder öfnen das Fenster weit.
          (Einen Kollege hatte es härter erwischt mit seinem Tinnitus, der schläft nur noch mit Walkman auf dem Kopf ein.)

          WIe gesagt, Du lernst es sicher auch, den Ton zu überhören, ich empfand das Fiepen in den ersten 8 Wochen als sehr viel schlimmer, als ich das heute tue.

  3. Das muss so unangenehm und bedrückend sein… du hast mein absolutes Mitgefühl. Ich hoffe, es wird schnell wieder besser.

    Auf den Satz. ich empfände mein Leben gar nicht als soo stressig, sagte mir ein Arzt mal sinngemäß, dass der Körper das manchmal anders bewertet als das Gehirn…

    1. Bin ich dann schwach? Andere ertragen doch noch sehr viel mehr Stress und bekommen keinen Hörsturz und Tinitus?
      Aber ich bin eigentlich ein recht fauler Mensch…. Genügend Freizeit habe ich auch 🙂

  4. Oh je, gute Besserung! Aber denk auch an deine Gesundheit – so ein Hörsturz kommt nicht ohne Grund oder? Überleg dir, ob du wirklich zu dem Gourmetsdingens gehen solltest im schlimmsten Fall hast du die Wahl: Geld verdienen aber nichts mehr hören auf Dauer, ne? 😦

    1. Danke dir.
      Werde am Montag noch mal mit dem Arzt sprechen. Das Gourmet-Dings wäre schon sehr gut. Die Tage machen sicherlich Spaß und das Geld kann ich sehr sehr sehr gut gebrauchen.
      Aber wenn der Arzt keine Besserung feststellt, werde ich es wohl wirklich sein lassen müssen.

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