Die Sache mit dem Trinkgeld

Letzte Woche hatten wir eine super Hochzeit. Junges, attraktives Paar, gute Laune bei allen Beteiligten und große Party nach dem 5 Gängemenü. Es war volles Haus.
Dementsprechend viele Mitarbeiter waren da. Heidi, Pirot und ich als Festangestellte, Lotta und Kate als Aushilfen und natürlich der Chef. In der Küche waren ebenfalls vier Mitarbeiter damit beschäftigt, dass jedes Essen lecker und heiß serviert werden konnte.

Kate ist die jüngste und „kleinste“ von uns. Es ist ihr achter Termin (in der Gastronomie überhaupt) und dementsprechend kümmert sie sich um den Spülkorb, der an diesem Abend im Minutentakt poliert werden muss. Mein Chef ist unzufrieden mit ihr. Sie ist zwar freundlich, aber sehr sehr langsam und sie weigert sich noch immer, auf die Gäste zuzugehen, einzudecken oder Einzusetzen.

Um 3 Uhr Morgens verabschiedet sich die Gesellschaft nach und nach. Um vier ist nur noch der Brautvater da, der uns allen jeweils fünfzig Euro in die Hand drückt. Pirot, Heidi und ich geben unsere 50er alle brav in das Portemonnaie. Lotta und Kate weigern sich.

Dabei ist bei uns im Vertrag die Sache mit dem Trinkgeld streng geregelt. Sämtliches Trinkgeld, auch jenes, das persönlich in die Hand gedrückt wird, wird gesammelt. Da bei uns die Küche auch etwas bekommt, werden sämtliche Stunden der Mitarbeiter (inklusive Köche und Helferlein) zusammengerechnet und der Gesamtbetrag des Trinkgeldes durch die Anzahl der Stunden geteilt und nach einem bestimmten Satz verteilt. Die Küche bekommt etwas weniger als die Servicemitarbeiter und die Helferlein weniger als die Festangestellten und die am Spülkorb noch etwas weniger. Wenn man ganz neu beginnt bekommt man die erste Zeit gar nichts und fängt dann klein an. Da musste jeder von uns durch.

Kate will das nicht verstehen und auch Lotta weigert sich, ihr Geld Pirot auszuhändigen, der die Kasse überwacht. Der Chef ist schon im Bett.

Am nächsten Tag ist großer Stress mit dem Chef. Heidi, Pirot und ich erklären ihm, was passiert ist. Er ruft sofort Lotta an, die auch ans Telefon geht. Sie muss kommende Woche arbeiten also ist bei ihr die Sache kein großes Problem. Sie bringt die 50 Euro mit, damit es gerecht verteilt werden kann. Andernfalls hätte sie sich auch gleich eine neue Stelle suchen können.

Bei Kate sieht die Sache anders aus. Seit diesem Tag geht sie nicht mehr an ihr Handy und antwortet nicht mehr auf ihre Mails.

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3 Gedanken zu “Die Sache mit dem Trinkgeld

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